Donaldson Lufkin & Jenrette bringt 204 Mrd. sfr an verwalteten Vermögen mit.
Credit Suisse First Boston vor Übernahme der US-Investmentbank Donaldson Lufkin & Jenrette

Mit der Übernahme könnte die CSFB Marktführer im internationalen Emissions- und Platzierungsgeschäft für Aktien werden. >>Kommentar: Der Aufsteiger

Reuters NEW YORK/ZÜRICH. Nur wenige Wochen nach der US-Großübernahme des Schweizer Finanzkonzerns UBS steht mit der CS Group der zweite große Schweizer Finanzdienstleister vermutlich vor einem Milliarden-Einkauf in den USA. Informierten Kreisen zufolge übernimmt die zur CS Gruppe gehörende Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) die US-Investmentbank Donaldson Lufkin & Jenrette (DLJ). CSFB wolle 90 $ je Aktie bezahlen, hieß es am Dienstagabend in New York weiter. DLJ wäre damit 12,50 Mrd. $ (rund 27 Mrd. DM oder 21,6 Mrd. sfr) teuer.

In der Konzernzentrale der CS Gruppe in Zürich war am Mittwoch kein Kommentar zu den Berichten aus New York zu erhalten. Auch DLJ nahm zu den Meldungen nicht Stellung. Die Börse reagierte mit Vorsicht auf die Spekulation, deren Substanz aber nicht angezweifelt wurde. Um die Mittagszeit stand die Aktie mit 368 sfr um 13,50 sfr unter dem Vortagesschluss.

Analysten konnten sich mit der erwarteten Transaktion nicht so recht anfreunden. Bemängelt wurde, dass die CS Gruppe mit DLJ eine reine Investmentbank übernehmen würde, die mit dem als lukrativer und auch ertragsstabiler angesehenen Vermögensverwaltungsgeschäft nichts zu tun hat. Heinrich-Horst Wiemer, Analyst bei Sal Oppenheim, sagte, die Gruppe kaufe ein risikoreiches Geschäft. Ihm komme die vermuteten Transaktion nicht überzeugend vor.

In dieser Beurteilung machte die UBS einen besseren Zug, als sie Mitte die Juli die Übernahme des US-Brokers und Vermögensverwalters PaineWebber für 10,8 Mrd. $ ankündigte.

Mit der Übernahme könnte die CSFB ihre Marktstellung im internationalen Emissions- und Platzierungsgeschäft für Aktien und für hoch verzinste so genannten Junk Bonds deutlich verbessern und teilweise sogar Marktführer werden. DLJ ist zudem ebenso wie CSFB in Bereich der Unternehmensübernahmen tätig. DLJ würde der CS Gruppe ferner auch Zugang zu dem schnell wachsenden amerikanischen Internet-Banking-Geschäft verschaffen, hieß es weiter. In Europa baut die CS Gruppe mit großem Aufwand das Internet-Banking aus. DLJ betreibt eine Internetbank namens DLJdiret.

Donaldson, Lufkin & Jenrette stehen zu 70 % im Besitz des französischen Versicherer AXA. CSFB werde das Paket halb in bar und halb in Aktien bezahlen. Die anderen Aktionäre würden Bargeld erhalten. Axa wolle sich offenbar auf die Vermögensverwaltung konzentrieren und habe kein Interesse am Investment Banking. Der Kurs der AXA-Aktie stieg an der Börse in Paris um mehr als ein Prozent an.

Aus dem Bezug zu AXA leiteten Beobachter auf dem Finanzmarkt Zürich die These ab, die CS Gruppe könnte im Zuge der Transaktion Aktien des Lebensversicherers Rentenanstalt/Swiss Life an Axa weiterreichen. Ende Juli meldete die CS Group, sie halte 5,55 % an Rentenanstalt. Händler wollten nicht ausschließen, dass die CS Group ihren Anteil kräftig aufgestockt haben könnte. Schließlich seien immer wieder grössere Transaktionen in Rentenanstalt zu beobachten gewesen. Auch CS-Großsaktionär Martin Ebner wurde mit seiner BZ-Gruppe immer wieder als Käufer in Rentenanstalt-Aktien geortet.

Neue Konstellationen im europäischen Versicherungsmarkt

Aber auch, wenn AXA in CS-Aktien bezahlt würde, entstünden neue Konstellationen im europäischen Versicherungsmarkt. Zur CS Gruppe gehört die Winterthur Versicherung, die dann auch eine Verbindung zu CS-Grossaktionär Axa bekäme.

An der New Yorker Börse stieg die DLJ-Aktie am Mittwoch vorbörslich auf 85 $. Am Vortag war sie um 24,4 % oder mehr als 16 $ auf 81-7/8 $ gestiegem. DLJ erzielte im ersten Halbjahr einen Gewinn von 407 Mill. $ oder 2,87 $ je Aktie.

US-Analysten zufolge wäre die Übernahme nicht einmal überteuert. Ein Analyst sagte, 100 $ je Aktie wären nicht unangemessen. Europäische Stimmen wollten dem nicht zustimmen. Die Übernahme könnte zu teuer werden, wenn die CS Gruppe nur das DLJ-Geschäft in den USA brauchen und die europäischen Operationen abstoßen oder schließen würde, hieß es bei der Zürcher Bank Cantrade.

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