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Don't call us, we won't call you

Nicht jeder muss in die Presse, nicht jeder will in die Presse. Kein Problem. Aber ist ein wenig Höflichkeit gegenüber anfragenden Journalisten wirklich zu viel verlangt? PS: Mit diesem Eintrag verabschiedet sich Indiskretion Ehrensache in eine kurze Pause.

Nicht jeder muss in die Presse, nicht jeder will in die Presse. Kein Problem. Aber ist ein wenig Höflichkeit gegenüber anfragenden Journalisten wirklich zu viel verlangt?

PS: Mit diesem Eintrag verabschiedet sich Indiskretion Ehrensache in eine kurze Pause. Die nächsten Beiträge vermutlich erst am Freitag.



Gerade habe ich einen Artikel über Gelsenkirchen abgeschlossen. Einen positiven, um genauer zu sein. Doch, das ist möglich. Gar nicht so schwer, um ehrlich zu sein. Auch wenn Politiker im Wahlkampf reihenweise GE zur Manifestation des Hässlichen, Arbeitslosen und Asozialen gemacht haben, tut sich doch eine Menge dort, abseits der Bergbau-Altlasten in der Arbeitslosenstatistik.

Vieles davon gehört zum Mittelstand. Und dessen Pressarbeit bietet, höflich gesprochen, enormen Raum zur Verbesserung. Da gibt es zum Beispiel die Waffelfabrik Oexmann, die ich gerne innerhalb des Artikels beschrieben hätte. Nach me inen Informationen ein gut laufendes Unternehmen. Also ein Anruf, der direkt beim Sekretariat des Chefs landete. Nach einem kurzen Vortrag meines Anlíegens (Handelsblatt, Positiv-Beispiele aus Gelsenkirchen, Artikel der relativ schnell fertig werden muss) die Frage, ob der Chef zu sprechen sei.

"Der Chef ist heute nicht da."

"Kann ich ihn vielleicht morgen sprechen?"

"Der Chef ist im Ausland. Der ist morgen auch noch nicht wieder da."

"Wann ist er denn wieder im Hause?

"Sie können Ihr Glück am Dienstag versuchen."

"Das ist ein wenig problematisch, da ich bis spätestens Mittwoch alles für den Artikel beisammen haben muss. Könnte er mich vielleicht zurückrufen?"

"Macht der Chef nicht."

"Wie wäre es, wenn ich Ihnen meine Nummer da lasse, Ihr Chef kann mich gern auch abends erreichen. Könnten Sie ihm das ausrichten?"

"Macht der Chef sowieso nicht."

Tja, dann halt nicht. Nicht jeder muss in die Zeitung. Doch immer wieder begegne ich Mittelständlern, die sich beklagen, dass Großunternehmen ständig medienpräsent sind, der Mittelstand dagegen selten. Ein Grund ist schlicht und ergreifend, die mühsame Recherche bei kleinen und mittleren Firmen.

Das heißt nicht, dass Konzerne immer gnadenlos gute Pressearbeit abliefern würden. Im Gegenteil. Ebenfalls in Gelsenkirchen sitzt ein Werk von Shell Solar. Deren Geschäftsführer hätte ich auch gern getroffen.

Die Presseabteilung ist nur leider in München angesiedelt, anscheinend jedoch besetzt mit demotivierten Tanja-Anjas ohne Kompetenzen. Sie müssten in Hamburg nachfragen, bei der Zentrale, hieß es. Auf eine gewisse Dringlichkeit hingewiesen, wurde mir versichert, ich erhielte innerhalb von anderthalb Tagen einen Rückruf. Drei Tage später - nichts. Nochmal ein Anruf in München. Die Ansprechpartnerin gab zumindest vor mich wiederzuerkennen - konnte sich aber hörbar nicht mehr meines Anliegens erinnern. Nein, nein, noch am gleichen Tag werde es einen Rückruf geben. Das war vor anderthalb Wochen. Statt Shell taucht jetzt Mitbewerber Scheuten Solar auf. Ein holländisches Unternehmen mit wendiger Presseabteilung.

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