Doping-Affäre um Kenteris und Thanou
Kentern mit Kenteris

Es ist lächerlich, dass die Olympische Familie die überfällige Disqualifikation der beiden griechischen Sprintstars derart lange hinauszögert. Es wird Zeit für unangenehme Wahrheiten in Athen. Und es wird Zeit für einen offeneren Umgangston mit Doping.

Mit dem Doping ist das so eine Sache: Im Grunde will jeder davon gewusst haben, sobald ein Athlet mit einer positiven Probe erwischt und überführt wird. So war das etwa beim deutschen Skilangläufer Thomas Mühlegg: Während der seine außergewöhnliche Fitness regelmäßig mit den Hexenkünsten einer unheimlichen Betreuerin erklärte, tuschelte die langsamere Konkurrenz unter der Bettdecke, das alles könne nicht mit rechten Dingen zugehen. Ging es ja am Ende auch nicht. Mühlegg wanderte erst nach Spanien aus, weil ihn die Deutschen nicht mehr mochten. Dann wurde er des Dopings überführt und musste all seine funkelnden Goldmedaillen doch wieder abgeben.

Die Geschichte um den griechischen Sprintstar Kostas Kenteris hat Ähnlichkeiten. Auch er kommt vielen in der Leichtathletik-Szene spanisch vor; taucht bei fast keinem Wettkampf auf, meldet sich dann für Olympische Spiele an und lässt dort seine gestählten Muskeln spielen. Im Gegensatz zu Mühlegg hat er es im Heimatland dennoch zum Nationalhelden geschafft, nach dem hier Fähren und Straßenbahnen benannt werden. Kenteris hätte bei der Eröffnungsfeier vor Milliarden von Zuschauern sogar das olympische Feuer entzünden sollen, wären ihm nicht endlich die Doping-Kontrolleure auf die Pelle gerückt. Der Sprintheld will aber nicht geprüft werden, noch nicht jetzt jedenfalls.

Wieder tuschelt die Branche, vermutlich habe sich der Grieche zu nahe ans Ereignis "herangedopt". Sportler könnten heutzutage fast auf die Stunde genau abschätzen, wann die verbotenen Substanzen im Körper bei Kontrollen nicht mehr nachzuweisen seien. Fakt ist bislang nur, dass Kenteris gemeinsam mit seiner Sprintkollegin Ekaterina Thanou binnen drei Wochen drei Aufforderungen zur Kontrolle nicht gefolgt ist.

Doch es ist lächerlich, dass die Olympische Familie die überfällige Disqualifikation der beiden derart lange hinauszögert. Es wird Zeit für unangenehme Wahrheiten in Athen. Und es wird Zeit für einen offeneren Umgangston mit Doping. Medien sollten die angebliche Motorrad-Flucht der Sprinter nicht als Olympia-Skandal werten, sondern als wichtigen Erfolg der Kontrolleure im Kampf gegen Doping.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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