Doping
Chilischoten im Pferdefutter?

In der asiatischen Küche wird es gern und oft verwandt, im Körper eines Reiters wäre es völlig unproblematisch gewesen. Doch die Antidopingbehörde hat das verbotene Alkaloid Capsaicin bei vier Springpferden gefunden. Das könnte weitreichende Folgen haben: Dem Reitsport droht der Rauswurf aus Olympischem Programm.

HB HONGKONG. Hätte sich Capsaicin im Körper von Christian Ahlmann gefunden, der 33 Jahre alte deutsche Springreiter hätte wohl keine Probleme gehabt, den Reiseweg des Alkaloids von der Speise ins Blut plausibel nachzuzeichnen. Aber es fand sich im Körper seines 15 Jahre alten Wallachs Cöster, so dass Ahlmann ein Verweis auf die chilihaltigen Speisen in Hongkong kaum helfen werden. Sollte die B-Probe, die heute geöffnet wird, das Ergebnis der A-Probe bestätigen, stünde fest: Cöster war gedopt.

Einem Orkanwind gleich fegte die Nachricht vom deutschen Dopingfall durch die Reihen der Springreiter, die gestern zum Einzelspringen antraten, das der Kanadier Eric Lamaze gewann. Im Blut des Wallachs, so der offizielle Bericht des "Hong Kong Analytical Laboratory", wurde Capsaicin gefunden. Das Alkaloid findet sich in Chili- und Paprikaschoten, es verursacht den allseits bekannten Schärfe- und Hitzereiz bei scharfen Speisen. In der Humanmedizin wird es als Durchblutungsmittel verwandt, so dass mancher Sportler sich damit vor dem Wettkampf die Beine einreibt. Im Pferdesport zählt es zu den verbotenen Substanzen.

Nicht weil es verboten wäre, die Durchblutung eines Pferdemuskels zu fördern, sondern weil es auch an den Vorderbeinen oberhalb des Hufes aufgetragen werden kann, um die Haut zu reizen. Jedes Anschlagen an die Stangen würde somit große Schmerzen verursachen. Bei konstanter Applikation führt es schließlich zu Unempfindlichkeit.

Der Einsatz von Capsaicin ist bei Dopingwilligen Reitern ganz offenbar der letzte Schrei. Nach Cöster wurde auch bei Lantinus des Iren Denis Lynch, bei Chupa Chup des Brasilianers Bernardo Alves und bei Camiro des Dänischen Topreiters Andre Hansen gefunden, der seine Equipe im Mannschaftsspringen zu Bronze geführt hatte. Sollte der Befund sich bestätigen, geht die Medaille an die Schweiz.

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