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Doping-Makel auf Juventus Turins Erfolgen

Auf Juventus Turins Rekordsiege hat sich ein dunkler Doping-Schatten gelegt. Das Gericht verurteilte Juve-Teamarzt Riccardo Agricola wegen Sportbetrugs durch Epo-Doping und Verabreichung gesundheitsschädlicher Medikamente zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis.

dpa TURIN. Auf Juventus Turins Rekordsiege hat sich ein dunkler Doping-Schatten gelegt. Das Gericht verurteilte Juve-Teamarzt Riccardo Agricola wegen Sportbetrugs durch Epo-Doping und Verabreichung gesundheitsschädlicher Medikamente zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis.

Juve-Geschäftsführer Antonio Giraudo wurde von Richter Giuseppe Casalbore freigesprochen. Dennoch wertete Staatsanwalt Raffaelle Guariniello das Urteil als Erfolg für seinen Kreuzzug gegen das Doping im italienischen Sport. "Ich bin zufrieden", sagte Italiens oberster Dopingjäger, während Juve-Verteidiger Berufung gegen die Verurteilung des Teamarztes ankündigten. Der von der La Gazzetta dello Sport als Mutter aller Dopingschlachten bezeichnete Prozess geht damit in die nächste Runde.

Nach fast drei Jahren und 39 Verhandlungstagen folgte das Gericht in erster Instanz zumindest teilweise der Staatsanwaltschaft. Guariniello hatte den beiden Angeklagten vorgeworfen, Juve-Spieler zwischen 1994 und 1998 systematisch mit dem Blutdopingmittel Epo und anderen unerlaubten Mitteln gedopt zu haben. Teamarzt Agricola habe die Spieler gedopt, während Giraudo als Geschäftsführer das Doping finanziert und mitgetragen habe. Für Agricola hatte er deshalb drei Jahre und zwei Monate und für Giraudo zwei Jahre und einen Monat Gefängnis gefordert.

Untermauert hatte Guariniello seine Anklage mit einem von Richter Casalbore in Auftrag gegebenen Gutachten. Mit Hilfe von Blutwertanalysen kam Prof. Giuseppe D'Onofri zu dem Schluss, dass mindestens zwei Juve-Spieler nachweislich mit Epo gedopt worden seien. Die Juve-Verteidiger versuchten das Gutachten wegen angeblicher Messfehler zu entkräften. "Wir sind überzeugt von unseren Argumenten. Bei Agricola müssen wir das Rückspiel abwarten", gab sich Juve-Verteidiger Luigi Chiappero zuversichtlich. Agricola und Giraudo hatten den Gerichtssaal nach dem Urteilsspruch wortlos verlassen.

Für den erfolgreichsten und mächtigsten Fußballclub Italiens ist das Urteil ein schwerer Schlag, weil die Staatsanwaltschaft die großen Erfolge des Clubs in den 90er Jahren ausdrücklich mit Doping in Verbindung gebracht hat. Für Staatsanwalt Guariniello ist Juves Verurteilung ein großer Sieg. Schon 1998 hatte der Turiner die Ermittlungen aufgenommen, nachdem Trainer Zdeneck Zeman Doping und Medikamentenmissbrauch im Fußball angeprangert und den Muskelzuwachs von Juve-Star Alessandro Del Piero offen als unnatürlich bezeichnet hatte.

Daraufhin lud Guariniello hunderte Fußballer, Sportärzte, Manager und Trainer vor. Durch seine Ermittlungen wurden auch die Schlampereien im römischen Doping-Kontrolllabor Acqua Acetosa sowie mutmaßliche Dopingfälle im Radsport aufgedeckt. Seine Ermittlungen trugen auch zur Verabschiedung des Dopinggesetzes im Jahr 2000 bei, das mit langen Haftstrafen für gedopte Sportler als das schärfste Dopinggesetzes der Welt gilt.

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