Dopingaffäre: Agassi legt sich mit McEnroe an

Dopingaffäre
Agassi legt sich mit McEnroe an

Andre Agassi nimmt keine Rücksicht. Auch nicht auf eine Tennislegende wie John McEnroe. Seine Einlassungen in der Dopingaffäre bezeichnete der Ehemann von Steffi Graf als «krankhaft».

HB BERLIN. Auch der Mann, den sie in Australien den «Übervater des Tennis» nennen, kennt seine natürlichen Grenzen. Gefragt, ob er sich vorstellen könne, noch im Jahr 2009 im Tenniszirkus umherzureisen - dann, wenn in Wimbledon ein Dach den Center Court überspannen wird -, setzte Andre Agassi ein feines Lächeln auf und parierte die Auskunft schlagfertig. «Wenn ich das wirklich vor hätte, müsste sich Stefanie zweifellos fragen, wen um Himmelswillen sie da geheiratet hat.»

Die Zukunft von Agassi im Tourbetrieb, der zeitliche Horizont bis zu seinem Abschied, ist zwar überschaubar geworden. Doch wie sehr der Sport seinen schillerndsten Protagonisten in der verbleibenden Arbeitsperiode noch braucht, ist in diesen turbulenten Tagen vor den Australian Open 2004 wieder einmal überdeutlich geworden: Als die Dopingaffäre um den Engländer Greg Rusedski gerade hysterische und irrationale Züge angenommen hatte, warf sich der 34-jährige Amerikaner mit Verve in die Bresche und verteidigte sowohl Profis wie das existierende Kontrollsystem.

Mit Agassis Einlassungen, so befand der «West Australian», sei ein «Stück Vernunft» in die Debatte zurückgekehrt. «Der Altmeister sprach ein überfälliges Machtwort.» Mit Aufmerksamkeit registrierten Beobachter, dass der Ehemann von Steffi Graf bei seinem flammenden Verteidigungsplädoyer auch vor alten Freunden und Weggefährten nicht halt machte, die zuletzt mit dubiosen Enthüllungsstories ein Schlagzeilengewitter entfacht hatten. Allen voran John McEnroe, der alte Egomane, der sich als unfreiwilliger Steroidschlucker geoutet hatte («Die Dosis war so stark wie für Pferde»).

Am Freitag nannte Agassi den Bekenntnisdrang McEnroes «krankhaft». «Was er da verbreitet, ist purer Unsinn. Und gefährlich für alle in dieser Branche.» Nach Agassis Brandrede gegen die willkürlichen Ankläger zogen selbst die jungen Wilden den Hut vor dem Grandseigneur: «Es ist einfach imponierend, wie er auftritt», gestand der Schweizer Roger Federer, «einen wie ihn wird es so schnell nicht wieder geben.»

Beim ersten Grand Slam-Spektakel der Saison müssen die Jungen Wilden, die Federers, Ferreros, Roddicks und Hewitts, auch die sportliche Dominanz des «Dinosauriers» fürchten. Fast schon traditionell ist der beste Konterspieler der Branche mit furchterregender Frühform nach Australien gekommen. Bei Showmatchen auf der alten Australian Open-Turnieranlage in Kooyong hinterließ Agassi einen so starken Eindruck, dass der frühere Topstar John Newcombe befand. «Wenn er sich hier nicht den Fuß bricht, wird er seinen Titel verteidigen.»

Zwei Jahre nach seiner komplizierten Handgelenksverletzung, die ihn damals zum Verzicht auf den Melbourne-Start zwang, und nach vielen Spekulationen über ein mögliches Karriereende erscheint Agassi wie ein Mann, der die Lust an der Herausforderung noch nicht verloren hat. «Ich trainiere wirklich mörderisch hart. Aber da ich merke, wie sehr mir das später auf dem Platz hilft, quäle ich mich gerne», sagt Agassi, der in diesem Winter und auch über Weihnachten so «intensiv wie nie» geschuftet hat. Agassis Fitnesscoach Gily Reyes wundert sich nicht über die konsequente Plackerei. «Er hat immer noch ein großes Herz für diesen Sport. Er hat den eisernen Willen, seine Ziele zu verfolgen.»

Mit diesem ungestillten Drang nach sportlichem Ruhm ist Agassi auch als Mittdreißiger der interessanteste Partner für Topsponsoren geblieben. Wer in diesen Tagen durch Melbourne fährt, kann dem Amerikaner buchstäblich nicht entkommen: Auf großen Werbebannern posiert Agassi mal für das Kreditkartenunternehmen «American Express», mal für den koreanischen Autobauer «Kia». Auch im Fernsehen hält Agassi die Dominanz in den Werbeblöcken, wo er für Partner auftaucht. «Andre ist die mit Abstand wertvollste Marke im Tennis», sagt Perry Rogers, der alte Sandkastenkumpel Agassis und jetzige Topmanager von Agassi Enterprises in Las Vegas.

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