Dopingprobleme
Gewichtheber kämpfen um Glaubwürdigkeit

In Peking soll bei den Gewichthebern alles anders werden: Seit den letzten Olympischen Spielen in Athen wurden 183 Sportler aus 57 verschiedenen Ländern positiv getestet und sind seitdem vom Weltverband IWF gesperrt, sechs Athleten sogar lebenslänglich. Vor vier Jahren gab es elf Dopingfälle, soviele sollen es diesmal nicht werden.

"Jeder erwischte Betrüger verbessert unsere Chancen", meint Frank Mantek. Der deutsche Bundestrainer glaubt zwar nicht daran, dass in den nächsten Tagen in Chinas Metropole "alle mit den gleichen Waffen kämpfen. Aber die Angst wird immer größer, weil flächendeckend so viele erwischt worden sind. Gewichtheben ist einen Schritt vorwärtsgekommen."

Überraschende Absagen

Kurzfristige und auch überraschende Olympia-Absagen, wie die des stärksten Mannes der Welt und zweimaligen Olympiasiegers Hossein Rezazadeh (Iran), des dreimaligen Olympiasiegers Halil Mutlu (Türkei) oder auch des wie Mutlu bereits zwischenzeitlich für zwei Jahre gesperrten Athen-Olympiasiegers Dimitri Berestow (Russland) kommentiert Mantek süffisant: "Wer keine Lust hat, in Peking zu starten, der lässt es eben bleiben. Wir haben Lust."

Die Szene der weltbesten Hantelstemmer ist in den letzten Jahren von einem regelrechten Schwächeanfall befallen. Nur ein mickriger Weltrekord datiert aus dem Olympiajahr, in dem ab dem 1. April aufgrund einer neuen IWF-Regel für Erst-Doper vier Jahre Sperre fällig sind. 16 der 24 Männer-Bestwerte sind im Umfeld der Olympischen Spiele von Sydney entstanden und feiern bald unangefochten ihren zehnten Geburtstag.

Selbst bei den erst seit 2000 im olympischen Programm integrierten Frauen, wo jahrelang Rekorde und persönliche Bestwerte scheinbar spielerisch pulverisiert wurden, geht es nur noch in kleinen Schritten vorwärts.

Immerhin sechs der in diesem Jahr überführten elf griechischen Heber waren Frauen, bei den elf erwischten Bulgaren steht die Namensnennung offiziell noch aus. Ex-Weltmeisterin Walentina Popowa (Russland) dopte bereits während einer laufenden Zweijahres-Sperre munter weiter und musste deshalb für immer ausscheiden. Und auch in China wurden zwölf Heberinnen in die Zwangspause geschickt.

Deutsche Kritik am Kontrollsystem

"Ich hatte in diesem Jahr schon acht Dopingkontrollen außerhalb der Wettkämpfe. So viele wie keiner meiner Rivalen", kritisiert Superschwergewichtler Matthias Steiner. Der Chemnitzer, der in Peking die Goldmedaille holen will, ärgert sich darüber, dass zum Beispiel einer seiner größten Rivalen, der Südkoreaner Joon Sanguen in den letzten vier Jahren gerade zweimal getestet wurde, darunter nicht ein einziges Mal vom Weltverband.

"Jeder Athlet, der bei Olympischen Spielen antritt, müsste in den Monaten zuvor wenigstens zweimal überprüft werden. Davon sind wir noch weit entfernt", schildert der Antidoping-Beauftragte des deutschen Verbandes Bvdg Dr. Christian Baumbacher. Auf deutschen Hinweis hin wurden die Teamkabinen hinter den Aufwärmhanteln auch in Peking abgeschafft. "Das war der einzige Ort, wo die Athleten während des Wettkampfes unbeobachtet waren und prima manipulieren konnten."

© SID

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