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Doppel-Absturz in Russland: Tu-154 funkte noch SOS

Zwei Tage nach dem rätselhaften doppelten Flugzeugabsturz in Russland mit 89 Toten haben die Ermittlungen der Experten noch kein greifbares Ergebnis gebracht. In einem Flugzeug habe die Besatzung vor dem Unglück das Notsignal SOS ausgelöst.

dpa MOSKAU. Zwei Tage nach dem rätselhaften doppelten Flugzeugabsturz in Russland mit 89 Toten haben die Ermittlungen der Experten noch kein greifbares Ergebnis gebracht. In einem Flugzeug habe die Besatzung vor dem Unglück das Notsignal SOS ausgelöst.

Das sagte der russische Verkehrsminister Igor Lewitin am Donnerstag an der Unglücksstelle bei Rostow am Don. Allerdings habe der Pilot der Tupolew-154 das Signal im Funkverkehr nicht mehr bestätigen können. Die russische Öffentlichkeit ging einhellig von einem Anschlag vor der Präsidentenwahl in der Tschetschenien am kommenden Sonntag aus.

Zu Berichten, die Tupolew-154 habe den Alarm für eine Entführung ausgelöst, äußerte sich Lewitin als Leiter der staatlichen Untersuchungskommission nicht. Er widersprach aber Angaben, dass die Daten der beschädigten Flugschreiber unbrauchbar seien. "Die Flugschreiber funktionierten schon vor dem Absturz nicht mehr", hatte der Präsidialbevollmächtigte für Südrussland, Wladimir Jakowlew, erklärt. Lewitin sagte, er erhoffe sich von den Aufzeichnungen der Gespräche in den Cockpits in den kommenden Tagen weitere Aufschlüsse.

An den beiden Absturzstellen 200 und 800 Kilometer südlich von Moskau bargen Suchmannschaften alle 89 Toten. Angehörige reisten an, um die Unglücksopfer zu identifizieren. Präsident Wladimir Putin hatte für Donnerstag Staatstrauer angeordnet.

Generalstaatsanwalt Wladimir Ustinow nannte am Mittwochabend Terrorismus sowie menschliches und technisches Versagen als mögliche Ursachen. Der Fall einer getöteten Passagierin mit kaukasischem Namen in der Tu-154 werde untersucht, sagte Lewitin. Ihre Familie habe sich nicht gemeldet. "Aber es gibt keine Information, dass sie eine Terroristin war", fügte er nach Angaben der Agentur Interfax hinzu.

Die beiden Flugzeuge waren am Dienstagabend vom Moskauer Flughafen Domodedowo gestartet. Gegen 23.00 Uhr Ortszeit verschwanden beide binnen weniger Minuten von den Radarschirmen. Die Tupolew-154, die in den Schwarzmeer-Ferienort Sotschi fliegen sollte, verunglückte über der Steppe 200 Kilometer nördlich von Rostow am Don. Das kleinere Flugzeug vom Typ Tu-134 auf dem Flug nach Wolgograd stürzte 200 Kilometer südlich von Moskau im Gebiet Tula ab.

Die Zeitungen in Moskau gingen von Anschlägen tschetschenischer Terroristen als Ursache aus. Menschliches Versagen der Piloten sei ausgeschlossen, meinte Miroslaw Bojtschuk, der Vorsitzende der Gewerkschaft des russischen Flugpersonals. Fachleute betonten, die Umstände der Abstürze deuteten auf Bomben mit Zeitzündern hin. Die Kontrollen auf russischen Flughäfen seien nicht streng genug, um das Einschmuggeln von Sprengstoff zu verhindern.

Als erste Maßnahme nach den Unglücken ordnete Putin an, wieder die Polizei mit der Bewachung der Flughäfen zu beauftragen. Das Parlament werde ein entsprechendes Gesetz beschließen, kündigten Abgeordnete an. Es gab jedoch auch warnende Stimmen. "Die Strukturen des Innenministeriums sind so mit Korruption infiziert, dass sich das Problem auf diese Weise nicht lösen lässt", sagte der Sicherheitspolitiker Gennadi Gudkow.

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