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Doppel-Lösung als fauler KompromisDPA-Datum: 2004-07-10 11:36:48

Frankfurt/Main (dpa) - Die Konkurrenten übten den Schulterschluss und spielten den verbalen Doppelpass, doch die im Machtkampf um die Führung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) angestrebte Lösung riecht nach einem faulen Kompromiss.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Konkurrenten übten den Schulterschluss und spielten den verbalen Doppelpass, doch die im Machtkampf um die Führung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) angestrebte Lösung riecht nach einem faulen Kompromiss.

Der Vorschlag, auf dem Bundestag am 22./23. Oktober in Osnabrück eine Doppelspitze mit Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und einem Geschäftsführenden Präsidenten Theo Zwanziger zu installieren, kommt einem Stillhalteabkommen zwischen den zerstrittenen führenden Köpfen des deutschen Fußballs bis zur WM 2006 im eigenen Land gleich und würde bei seiner Umsetzung für ein Novum im Welt-Fußball sorgen.

Die Vorstellung, dass der größte Sportfachverband künftig von zwei Funktionären angeführt werden soll, mutet kurios an und dürfte auch an der Basis mit Kopfschütteln aufgenommen werden. Daher mühten sich die Protagonisten, den Kompromiss anzupreisen, der von den Mitgliedern noch abgesegnet werden muss. «Mit Sicherheit hätte man auch vorher darauf kommen können. Wenn man darauf gekommen wäre, wäre es gut gewesen», sagte Mayer-Vorfelder. Schatzmeister Zwanziger, der nur vier Tage lang die Rolle des Herausforderers spielte, sieht eine Doppelspitze allerdings nicht als Modell für die Zukunft. «Ich glaube nicht, dass es sie länger als zwei Jahre geben wird», erklärte der 59-Jährige.

Um eine drohende Schlammschlacht im Wahlkampf zu verhindern, wollen die DFB-Funktionäre sogar einige Spielregeln außer Kraft setzen. Zunächst muss die Satzung geändert werden, die eine Doppel-Präsidentschaft nicht vorsieht. Auch der dreijährige Turnus von DFB - Bundestagen könnte nicht eingehalten werden. «Es muss 2006 Neuwahlen geben», kündigte Zwanziger an. Für Mayer-Vorfelder kommt dann definitiv der Abpfiff. «Es ist klar abgesprochen, dass ich nach der WM aus dem Amt scheide», sagte der DFB-Chef.

Der Deal, auf den sich die Opposition mit dem stark unter Druck geratenen Mayer-Vorfelder eingelassen hat, lässt den Schwaben als heimlichen Gewinner des Machtkampfes dastehen. «Ich sehe dies nicht als Entmachtung», stellte er zufrieden fest. Kein Wunder, denn für den 71-Jährigen ändert sich nur wenig. Er darf weiter repräsentieren und den DFB in den internationalen Gremien vertreten.

Um das Tagesgeschäft und die verstärkte Einbindung der Basis - beides ist künftig im Aufgabenbereich von Zwanziger angesiedelt - hatte sich Mayer-Vorfelder seit seinem Amtsantritt im April 2001 ohnehin nur leidlich gekümmert. Dies hatte ihn bei vielen Mitgliedern in Ungnade fallen lassen. Der gewiefte Taktiker tat sich daher nicht schwer, erstmals öffentlich Fehler einzugestehen. «Das kann man sicher anders und besser machen als ich», sagte Mayer-Vorfelder über seinen Führungsstil.

Da der Aufgabenbereich von Generalsekretär Horst R. Schmidt, der im DFB als der Macher gilt, von der Doppelspitze unberührt bleiben soll, ist Zwanzigers künftige Rolle momentan unklar. Eine genaue Geschäftsaufteilung zwischen ihm und Mayer-Vorfelder soll schnellstens erarbeitet werden. «Wir wollen in fairer Partnerschaft zusammenarbeiten. Das Grundvertrauen ist trotz der zuletzt aufgetretenen Differenzen nie verloren gegangen», schlug Zwanziger versöhnliche Töne an.

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