Doppel-Terroranschlag
Extremisten richten Blutbad in Kenia an : 15 Tote

Bei einem gegen Israelis gerichteten Selbstmordanschlag auf ein Hotel sind am Donnerstag im kenianischen Mombasa mindestens vierzehn Menschen getötet worden. Einem fast zeitgleich nur wenige Kilometer entfernt ausgeführten weiteren Anschlag auf ein startendes israelisches Flugzeug entgingen alle 261 Passagiere unversehrt.

Reuters MOMBASA. In Israel und Kenia wurde die El-Kaida - Organisation des Moslem-Extremisten Osama bin Laden für die Anschläge verantwortlich gemacht. Auch in Nordisrael erschossen Attentäter mindestens zwei Menschen.

Unter den 15 Toten seien drei Israelis und die drei Selbstmordattentäter, sagte der kenianische Polizeichef. 80 Menschen wurden nach Angaben des kenianischen Botschafters in Israel verletzt. Nach ersten Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes waren keine Deutsche unter den Opfern.

"Kurz nachdem eine Gruppe Touristen in das Hotel gebracht wurde, sah ich, wie ein weißer Pajero(-Geländewagen) das Tor durchbrach", sagte ein Augenzeuge. Darin seien drei Leute arabischer Herkunft gewesen. Als das Auto den Eingangsbereich des Hotels erreichte, habe sich die Explosion ereignet. Zeugen schilderten, israelische Touristen und andere Überlebende seien blutüberströmt aus dem zerstörten Hotel Mombasa Paradise zum Strand gebracht worden. Die Toten seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, sagte ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes. Die Polizei befragte nach eigenen Angaben zwei Verdächtige, die in der Nähe des Tatortes festgenommen worden seien.

Etwa zwei Kilometer vom Hotel entfernt und nur Minuten vor dem Selbstmordanschlag waren nach Polizeiangaben zwei Raketen auf eine aus Mombasa abfliegende israelische Verkehrsmaschine abgefeuert worden. In kenianischen Sicherheitskreisen hieß es, die Angreifer hätten offenbar Raketen eingesetzt, die von der Schulter aus abgefeuert werden. Aus deutschen Geheimdienstkreisen verlautete, es habe sich um sowjetische Boden-Luft-Raketen vom Typ SA 7 gehandelt.

"Wir sahen zwei weiße Rauchspuren, die uns an der linken Seite passierten, von hinten nach vorne, und die nach ein paar Sekunden verschwanden", sagte der Pilot Rafi Marik. Ein Passagier, der im hinteren Bereich der Kabine saß, sagte, die Rakete sei ungefähr einen Meter über der Tragfläche vorbeigeflogen. Die Täter benutzten nach Polizeiangaben auch hier einen weißen Pajero-Allradwagen. Sechs Stunden nach dem Start landete das Flugzeug am Mittag sicher in Tel Aviv, eskortiert von Kampfflugzeugen der israelischen Luftwaffe.

Der Botschafter Kenias in Israel, John Sawe, sagte Reuters TV, zweifelsohne stecke El Kaida hinter den Anschlägen. In israelischen Diplomatenkreisen wurde diese Auffassung bestätigt. Ein Sprecher der US-Regierung bedauerte die Gewalt und bot den Regierungen Kenias und Israels Hilfe bei den Ermittlungen an, fügte aber hinzu: "Es ist zu früh, um zu sagen, ob dies das Werk El Kaidas ist oder nicht." Israels Ministerpräsident Ariel Scharon sagte, die Palästinenser-Regierung sowie arabische Staaten wollten mit Terror die Wahlen in Israel beeinflussen. In einem Telefax bekannte sich eine bisher unbekannte Gruppe namens "Armee Palästinas" zu den Anschlägen. Sie bezichtigte Israel des "zionistischen Terrors im Westjordanland und im Gaza-Streifen".

Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte offenbar mit Blick auf den Nahost-Konflikt, mit dem Terroranschlag solle eine Eskalation der Situation erreicht werden. "Diese Rechnung der Terroristen darf nicht aufgehen." Als Reaktion auf die Anschläge verstärkten mehrere Bundesländer ihre Sicherheitsmaßnahmen an großen Verkehrsflughäfen. Das Auswärtige Amt verschärfte seine Reisehinweise für Kenia und riet von nicht notwendigen Reisen ab. "Das Auswärtige Amt weist nachdrücklich auf eine mögliche Gefährdung auch bei Ferienreisen hin", sagte ein Sprecher.

Experten warnten, lockere Sicherheitsvorkehrungen, Unruhen und Armut hätten Afrika zu einem fruchtbaren Boden für Extremisten gemacht. "In ganz Ostafrika von Somalia bis hinunter nach Kenia, Tansania, sogar bis Südafrika gibt es El Kaida", sagte der Vize-Direktor des Centre for the Study of Terrorism der Universität St. Andrews in Großbritannien, Magnus Ranstorp. "Es ist ein blinder Fleck im 'Krieg gegen den Terrorismus'."

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