Doppelmandat soll neu geregelt werden
Bertelsmann und Gruner + Jahr: Der Ton wird rauer

Palastrevolution in Hamburg: Die Minderheitsaktionäre des Verlags Gruner + Jahr wollen ihrer Mutter Bertelsmann zeigen, wer der Herr im Haus ist. Unter die Räder gerät dabei Statthalter Bernd Kundrun.

HB HAMBURG. Der Ton wird rauer. Die Hamburger Verlegerfamilie Jahr geht auf Konfrontationskurs zum Gütersloher Medienriesen Bertelsmann AG. Die Minderheitsgesellschafter der Hamburger Zeitungs- und Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr AG & Co. wehren sich energisch gegen Überlegungen des Bertelsmann-Vorstandsvorsitzeden Thomas Middelhoff, das Verlagshaus ("Stern", "Financial Times Deutschland") direkt unter die Gütersloher Medien-Gruppe anzubinden. "Wir werden nicht dulden, dass die Einverleibungsversuche Bertelsmanns Erfolg haben", erklärte Burckhardt Schmidt, offizieller Vertreter der Interessen der Jahr-Familie, gegenüber dem Handelsblatt.

So sei die Jahr-Dynastie nicht bereit, ihren 25,1 %-Anteil an der Gruner + Jahr AG & Co in Aktien der Bertelsmann AG zu tauschen. Bertelsmann besitzt die restlichen Anteile an Gruner + Jahr (G + J).

Flurbereinigung vor Börsengang

Ausgelöst wurde die Diskussion durch das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", das von notwendigen Flurbereinigungen im Vorfeld eines Börsengangs der Bertelsmann AG, Gütersloh, berichtete. Der Spiegel, laut "Welt am Sonntag" von Bertelsmann gern als "Haus- und Verkündigungsorgan" genutzt, hatte Investmentbanker mit dem Hinweis zitiert, dass Bertelsmann bei wichtigen Töchtern nicht "Herr im Haus" sei und Verhandlungen mit Minderheitsgesellschaftern - wie der Familie Jahr - notwendig seien. Außerdem kam der Eindruck auf, Bertelsmann spreche über den Verkauf der Zeitungsaktivitäten - die aber sind nun einmal angesiedelt bei G + J unter Vorstandschef Bernd Kundrun.

Bei Bertelsmann wiegelt man ab: "Wir haben schon immer auf alle Minderheitsgesellschafter Rücksicht genommen", erklärte ein Sprecher des Konzerns auf Anfrage. Gerade mit der Familie Jahr gebe es eine "langjährige erfolgreiche und vertrauensvolle Zusammenarbeit." Man sehe "keine Notwendigkeit daran etwas zu ändern."

Verleger-Familie pocht auf Unabhängigkeit

Um so besser, meint Schmidt. Die Verleger-Familie poche auf die Unabhängigkeit des Hamburger Verlages und werde sich gegen mögliche Einflussnahmen auf die Geschäftspolitik wehren. Dazu gehörten auch Absichten, bei einem von Middelhoff favorisierten Kauf der Jahr-Anteile die umfangreichen Veto- und Gestaltungsrechte der Unternehmensfamilie bei G + J zu beschneiden Sie hat etwa bei der Bestellung der Chefredakteure sowie bei Zu- und Verkäufen von Printobjekten ein Vetorecht. Schmidt weiß, dass die Situation für Middelhoff unbefriedigend ist. "Es ist klar, dass die Mitspracherechte für einen Börsengang von Bertelsmann nicht gerade förderlich sind".

Um künftig Interessenkonflikte zu vermeiden, soll laut Schmidt das Doppelmandat von Bernd Kundrun als Vorstandsmitglied bei der Bertelsmann AG und als Vorstandsvorsitzender von G + J neu überdacht werden. "Es müssen klare Regelungen geschaffen werden", betont Schmidt. Noch ist unklar, ob hierfür möglicherweise der G+J-Chef Kundrun sein Vorstandsmandat bei Bertelsmann wird abgeben müssen.

Entsprechende Gespräche sollen zwischen einem Vertretern der Familie und Middelhoff demnächst aufgenommen werden. Für die Banker wäre ein Rückzug Kundruns ein weiteres Indiz, dass Bertelsmann - wie befürchtet - Probleme mit einer renitenten Tochter bekommen könnte. Und im schlimmsten Fall nicht nur mit einer.

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