Doppelspitze ist Voraussetzung
Plan für norddeutsche Großbank nimmt Gestalt an

Die Kieler Landesbank teilte am Mittwoch mit, ihre Eigentümer hätten dem Vorstand den Auftrag erteilt, gemeinsam mit der Hamburgischen Landesbank ein Fusionskonzept zu erarbeiten.

Reuters HAMBURG. Damit kommt Bewegung in ein Vorhaben, über das die beiden Landesregierungen seit längerem verhandeln, dessen Scheitern aber zeitweise auch nicht ausgeschlossen wurde.

Bei einer Verschmelzung würden die beiden Institute auf Rang vier oder fünf unter den Landesbanken vorrücken. Die Größe der Anteile an der neuen Bank soll ein Wertgutachten über die bisherigen Einzelinstitute klären.

Die LB Kiel gehört zu jeweils 25,05 Prozent dem Land und dem Sparkassen und Giroverband Schleswig-Holstein. - Die Westdeutsche Landesbank (West-LB) hält 39,9 Prozent, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zehn Prozent. An der Hamburgischen Landesbank (HLB) ist die LB Kiel mit 49,5 Prozent beteiligt, das Land hält 50,5 Prozent.

Die LB Kiel nannte den 1. Januar 2003 als Termin, zu dem ein Staatsvertrag für die Fusion in Kraft treten solle. Die Hamburgische Landesbank verwies hierzu jedoch auf die Finanzbehörde. Deren Sprecher sagte, das Thema solle am 28. März in dem Gremien der Bank behandelt werden. Eine politische Grundsatzentscheidung für die Verschmelzung müsse der Senat treffen.

In politischen Kreisen in Hamburg hieß es unterdessen, die Pläne für eine Fusion hätten Gestalt angenommen. In Kreisen der Kieler Landesbank hieß es: "Man kriegt nicht so einen Auftrag (für ein Fusionskonzept), wenn nicht Simonis und Beust grundsätzlich einig sind." Heide Simonis (SPD) ist Regierungschefin von Schleswig-Holstein, Ole von Beust (CDU) Erster Bürgermeister von Hamburg.

Wegfall der staatlichen Haftungsgarantien

Hintergrund der Fusionsbestrebungen ist der Wegfall der staatlichen Haftungsgarantien ab Juli 2005, durch den die Landesbanken ihre bisher günstigen Refinanzierungskonditionen verlieren. Damit steigt unter den Landesbanken der Druck zu Kooperationen und Fusionen. Um weiter kapitalmarktfähig und rentabel zu sein, müssen sie sich zusammenschließen.

Die Kieler und die Hamburgische Landesbank sind fast gleich groß, allerdings gelten die Hamburger als werthaltiger. Genauen Aufschluß darüber soll ein Bewertungsgutachten ergeben, das auch Grundlage für die Aufteilung der Anteile an der neuen Großbank sein soll.

Durch einen Zusammenschluss wollen die Banken ihren Marktauftritt stärken. Die neue Bank wäre Weltmarktführer bei Schiffsfinanzierungen und zugleich stark bei Flugzeugfinanzierungen vertreten.

Zur Voraussetzung für eine Fusion hat die Kieler Landesregierung einen Doppelsitz gemacht. Außerdem soll ein Stellenabbau weitgehend ausgeschlossen werden.Beide Landesbanken zusammen beschäftigen zur Zeit 4 750 Mitarbeiter.

Die Kieler Landesbank nutzte am Mittwoch die Veröffentlichung ihrer Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr dazu, den Auftrag über das Fusionskonzept bekannt zu geben. Demnach steigerte das Institut das Betriebsergebnis 2001 trotz höherer Risikovorsorge um 17,3 Prozent auf 362,4 Millionen Euro.

Die Bilanzsumme sei um 10,1 Prozent auf 141,0 Milliarden Euro gestiegen. Die Hamburgische Landesbank will ihre Zahlen am 3. April veröffentlichen und rechnet für 2001 mit einer Bilanzsumme von 87 Milliarden Euro.

Bei einer Fusion würde die neue Bank nach Darstellung der LB Kiel auf Rang vier oder fünf von den Plätzen sechs beziehungsweise acht unter den Landesbanken vorrücken, je nachdem wie sich die Norddeutsche Landesbank entwickelt. An der Spitze werden aber auch in Zukunft die West-LB, die Bayern-LB und die LBBW stehen.

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