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Doppelspitze streitet um AufgabenverteilungDPA-Datum: 2004-07-11 13:01:57

Frankfurt/Main (dpa) - Der Machtkampf um die Führung im Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist durch die Konsens-Lösung einer Doppelspitze noch nicht endgültig entschärft worden.

Frankfurt/Main (dpa) - Der Machtkampf um die Führung im Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist durch die Konsens-Lösung einer Doppelspitze noch nicht endgültig entschärft worden.

Als ein Streitpunkt zwischen DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und dem designierten Geschäftsführenden Präsidenten Theo Zwanziger deutet sich die Zuständigkeit für die Nationalmannschaft an. Das Führungsduo soll dem Präsidium möglichst schnell eine «Arbeitsplatzbeschreibung» vorlegen, in der die Aufgabenverteilung für die kommenden zwei Jahre festgelegt werden soll. Die Frage, wer künftig für das nach dem vorzeitigen EM- Aus ramponierte Aushängeschild des deutschen Fußballs zuständig ist, birgt dabei den größten Zündstoff.

«Geschäftsführend ist für mich ein umfassender Begriff», deutete Zwanziger im Gespräch mit dem «Tagesspiegel» seine Ambitionen an. Der Kurzzeit-Herausforderer von Mayer-Vorfelder sieht sich in der stärkeren Position und möchte den Präsidenten von allen Aufgaben im nationalen Bereich entbinden. «Ich bin derjenige, der die Interessen der Mitgliedsverbände leichter umsetzen kann. MV kann seine Stärken jetzt ganz auf der internationalen Bühne ausspielen», sagte der DFB-Schatzmeister in einem Interview der «Bild am Sonntag».

Zwanziger begründete nochmals, warum Mayer-Vorfelder bei der Basis in Ungnade gefallen ist. «Erstens: Er hat zu viele Dinge zur Chefsache gemacht. Zweitens: Er hat die Mitgliedsverbände vernachlässigt. Und drittens: Die Gründung des Büros in Stuttgart mit der Personalie Jan Lengerke. MV hat sich unnötigerweise in die Isolation begeben, den Blick für die Realität verloren und gut gemeinte Ratschläge in den letzten Monaten nicht angenommen», sagte der 59-Jährige. Lengerke ist als Assistent von Mayer-Vorfelder nach wie vor höchst umstritten und sein weiteres Angestelltenverhältnis beim DFB vorerst ausgeklammert worden.

Doch Mayer-Vorfelder will sich trotz seiner Teilentmachtung nicht so leicht abschieben lassen. Nach der Marathon-Sitzung der DFB-Granden erweckte auch der 71-Jährige den Eindruck, dass er sich weiter für die DFB-Auswahl zuständig fühlt. Er wuchert mit dem Pfund, dass er in der Trainerfindungskommission (TFK) sitzt, deren Arbeit nach der Absage von Otto Rehhagel noch Monate dauern kann. Seinen Konkurrenten Zwanziger sieht er in der Rolle des Bindeglieds zur Basis. «Er kennt die Strukturen der kleinen Vereine und der Verbände besser als ich», erklärte Mayer-Vorfelder beim Verbandstag des Südwestdeutschen Fußball-Verbandes (Swfv) in Edenkoben.

Sogar DFB-Vizepräsident Engelbert Nelle, der zu den schärfsten Kritikern des Schwaben gehört, sieht Mayer-Vorfelder in dieser Frage in der besseren Position. «Ich rechne mit einer einvernehmlichen, partnerschaftlichen Lösung. Ich glaube aber, dass sich hier MV durchsetzen wird», sagte Nelle der dpa und meinte damit die Zuständigkeit für die Nationalmannschaft.

Unterdessen signalisierten eine Reihe von Regional- und Verbandspräsidenten ihre Zustimmung zu dem Kompromiss. «Bei einer aus unserer Sicht positiven Entscheidung auf dem Bundestag am 23. Oktober bekämen wir auch den Präsidenten für die Amateure, den wir haben wollen», sagte Rolf Hocke, Chef des Süddeutschen Fußball-Verbandes. Für die zur Installation einer Doppelspitze nötige Satzungsänderung müssen zwei Drittel der Mitglieder stimmen. «Das wird die größte Schwierigkeit. Ich bin mir aber sicher, dass die Landesverbände unserem Vorschlag zustimmen», erklärte Nelle.

Die DFB-Spitze feierte den errungenen Konsens als Lösung im Interesse des Fußballs. In der siebenstündigen Sitzung waren drei Modelle lautstark diskutiert worden. Da sich die Beteiligten weder auf MV noch auf Zwanziger als alleinigen Kandidaten einigen konnten, wurde schließlich die Doppelspitze erfunden. Ob sie funktioniert, muss die Zukunft zeigen. Fest steht lediglich, dass es im Herbst 2006 bei Neuwahlen zum endgültige Abpfiff für Mayer-Vorfelder kommt. «Es ist klar abgesprochen, dass ich nach der WM aus dem Amt scheide», sagte der DFB-Präsident.

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