Doppeltes Risiko und die stete Angst vor Niederlagen
Nur die besten Fußballclubs Europas können an der Börse gewinnen

Fußballaktien sind nichts für schwache Nerven: Zum unternehmerischen Risiko gesellt sich die Gefahr, dass ein 1:2 im Stadion mal schnell die Bilanz verhagelt. Nur die Besten haben Kursphantasie.

DÜSSELDORF. Ein 1:2 - was macht das schon? Gerade mal ein Tor weniger geschossen als der Gegner. Niederlagen sind für jeden Verein ärgerlich, doch für Manchester United ist die Schlappe beim RSC Anderlecht schon ein kleiner Betriebsunfall. Vor dem letzten Spieltag in der Champions League stehen die "Reds" in ihrer Vorrundengruppe auf Platz drei. Nur die ersten beiden Teams bleiben allerdings dabei in jener europäischen Top-Liga, die Spötter gerne als Geldbeschaffungspokal bezeichnen: Etwa 90 Mill. DM hat der FC Bayern München vergangene Saison in der Champions League eingenommen. Das entspricht dem Jahresetat zweier mittelmäßiger Fußball-Bundesligisten.



Wenn die Aktie der Borussia Dortmund KGaA am Montag in den Amtlichen Handel aufgenommen wird, muss der Weg in die Champions League erstes Unternehmensziel der Schwarz-Gelben sein. Dort hat auch die traumhafte Börsenstory des englischen Rekordmeisters ihren Ursprung genommen. "Es gibt nicht viele Topvereine, die regelmäßig an der Champions League teilnehmen. Manchester United gehört dazu", sagt Thomas Jökel von Union Investment. Der Manager des Sportsfonds UniSector Sport hat die ManU-Aktie in seinem Portfolio, außerdem ist er bei AS Rom, Ajax Amsterdam sowie bei Bröndby Kopenhagen investiert.



Von 28 anderen Klubs, die bisher an Europas Börsen gelistet sind, lässt er lieber die Finger: "Die meisten Vereine, die notiert sind, sind unattraktiv", glaubt Jökel, der sich nun allerdings den deutschen Börsenpionier Borussia Dortmund genauer anschauen will. "Das Management macht einen guten Eindruck und die Marke BVB ist sehr attraktiv", meint der Fondsmanager, der allerdings auch ein sehr hohes Risiko bei der Aktie Schwarz-Gelb wegen der noch unklaren sportlichen Situation des Vereins sieht.



In diesem Jahr spielt Borussia Dortmund in keinem europäischen Wettbewerb, weshalb für die Saison 2000/2001 ein mehr als 10 % schwächerer Umsatz sowie ein deutlich negatives Betriebsergebnis erwartet wird. Um etwas unabhängiger von Sieg und Niederlage auf dem Rasen zu werden, will der BVB zwar durch die Millionen aus dem Börsengang in fußballnahe Geschäftsfelder expandieren, doch bis auf weiteres spielt die Musik nahezu allein im Stadion: Steigende Spieleinnahmen, höhere Sponsorengelder, bessere TV-Vermarktung - fast das gesamte Wachstum hängt von einer Teilnahme am Europapokal ab.



Ajax Amsterdam, einer der erfolgreichsten Clubs der 90-er-Jahre, ist draußen aus der Champions League - und der Kurs liegt am Boden. Da hilft das schönste Stadion nichts. Einzig Manchester United ist bisher in der Lage, auch jenseits der klassischen Einnahmefelder Kasse zu machen: Die Vermarktungsmaschine rollt weltweit äußerst erfolgreich, der Umbau von einem reinen Fußballclub zu einem Entertainmentkonzern kommt voran.



Auch die Topsponsoren sind nicht zimperlich: Derzeit wird über einen langjährigen Ausrüstervertrag mit Nike verhandelt, der den "Reds" bis zu 1 Mrd. DM bringen könnte. Dafür darf ein ManU-Stürmer schon mal am Tor vorbeischießen - allerdings nicht oft.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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