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Dortmund holt Luft im Existenzkampf

Der Gesichtsausdruck von Bert van Marwijk verriet mehr als tausend Worte. Das 2:0 (1:0) über den SC Freiburg und der Applaus der Fans entschädigten den zuletzt leidgeprüften Trainer von Borussia Dortmund für den Frust der vergangenen Tage.

dpa DORTMUND. Der Gesichtsausdruck von Bert van Marwijk verriet mehr als tausend Worte. Das 2:0 (1:0) über den SC Freiburg und der Applaus der Fans entschädigten den zuletzt leidgeprüften Trainer von Borussia Dortmund für den Frust der vergangenen Tage.

Mit Genugtuung und Erleichterung genoss der Niederländer vor der mächtigen Südtribüne des Westfalenstadions die aufmunternden Gesänge. "Das hat mir unheimlich gut getan", bekannte van Marwijk, der aus dem Duell mit BVB-Großaktionär Florian Homm als Punktsieger hervorging.

Im Existenzkampf des hoch verschuldeten Revierclubs konnten alle Beteiligten tief Luft holen. Zwei erlösende Treffer der Verteidiger Markus Brzenska (3.) und Ahmed Madouni (81.) vor 76 000 Zuschauern verhinderten weiteres Ungemach. Für die jüngste Idee von Homm, den amtierenden BVB-Coach durch den Bielefelder Fußball-Lehrer Uwe Rapolder zu ersetzen, hatte Mittelfeldspieler Sebastian Kehl nur ein Kopfschütteln übrig. "Das war ein Sieg für uns, aber auch für den Trainer. Unglaublich, wie der in den letzten Tagen angeschossen wurde."

Nach einer turbulenten Woche mit Aktionärs- und Mitgliederversammlung und dem viel diskutierten Vorstoß des eigenwilligen Großaktionärs wollten die Profis ein Zeichen setzen. Doch den Charaktertest bestanden sie nur mit großer Mühe. Wie sehr die Spielkultur in den letzten Wochen gelitten hat, machte vor allem die indiskutable zweite Halbzeit deutlich. Die Pfiffe der Zuschauer waren trotz der knappen Führung unüberhörbar. Gleichwohl überwog bei Kehl eine positive Sicht der Dinge: "Jetzt können wir in den nächsten Tagen endlich in Ruhe arbeiten."

Wie die angestrebte sportliche Konsolidierung auch ohne teure Spieler bewerkstelligt werden kann, stellte Markus Brzenska unter Beweis. Für den vor wenigen Tagen angebotenen Profi-Vertrag bedankte sich der 20 Jahre alte ehemalige Regionalliga-Spieler auf seine Weise: Mit einer tadellosen Leistung und seinem ersten Bundesliga-Tor empfahl er sich für weitere Einsätze. Überglücklich ließ er das Erfolgserlebnis Revue passieren: "Das Gefühl beim Tor war absolut geil. Ich hoffe, dass wir jetzt eine Serie starten können."

Von solch positiven Gefühlen kann Volker Finke derzeit nur träumen. Dennoch hielt sich die Enttäuschung des Freiburger Trainers über das 0:2 in Grenzen. Vor allem die deutliche Leistungssteigerung seiner Mannschaft in der 2. Halbzeit machte ihm Mut: "Nach so einem Spiel kann man konstruktiv weiterarbeiten und muss nicht draufschlagen. Man merkt, unsere Substanz wird besser."

Mit jedem Profi, der aus der Krankenstation ins Team zurückkehrt, steigt die Konkurrenzfähigkeit. Schon in Dortmund deutete die Mannschaft zumindest ab der 50. Minute an, wie sie sich aus dem Tabellenkeller befreien kann. Finke ist zuversichtlich, dass die Freiburger auch in dieser Saison die Klasse halten können: "Die Mannschaft steht kurz davor, das Wasser wieder umzuleiten. Dann wird es nicht länger bergauf, sondern wieder bergab fließen."

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