Dortmund
Phönix aus der Asche

Das Papier musste in den Giftschrank, und zwar schnell - das war dem Dortmunder Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer (SPD) sofort klar. Lange bevor Thyssen-Krupp das Aus für das Phoenix-Stahlwerk im Stadtteil Hörde verkündete, hatte die Stadtverwaltung ein Konzept für den Fall der Fälle entwickelt - mit der kühnen Idee, einen Teil des Geländes zu fluten und in einen See zu verwandeln.

HB DORTMUND. "Wenn die Pläne damals bekannt geworden wären, hätte es einen Aufschrei gegeben", erinnert er sich. "Die Menschen hätten gedacht, wir geben den Kampf schon vorher verloren."

Im Grunde wäre dieser Eindruck auch richtig gewesen. "Mir war schon Mitte der achtziger Jahre klar, dass wir auf Dauer keine Chance haben, die alten Strukturen zu retten", erinnert er sich. Entschlossen trat er daher die Flucht nach vorne an - bereit, die Hypotheken der Vergangenheit gnadenlos abzuschreiben.

"Dieser Mut zum radikalen Strukturbruch war in anderen Ruhrgebietsstädten lange Zeit nicht so deutlich wie in Dortmund", sagt Mathias Bucksteeg, Deutschland-Direktor des Forschungsinstituts Prognos. Und er hat sich ausgezahlt: Dortmund entwickelte sich in den letzten Jahren so gut wie keine andere Revierstadt, zeigt der Zukunftsatlas 2004, die Analyse der Zukunftsfähigkeit aller Städte und Landkreise von Prognos und Handelsblatt.

Phoenix ist das extremste Beispiel für das Dortmund-Prinzip: Ende April 2001 gingen in Hörde endgültig die Lichter aus, und Langemeyer setzte die See-Idee durch - bis Mitte 2007 entsteht, drei Kilometer von der Dortmunder City entfernt, ein Segelrevier, so groß wie die Binnenalster in Hamburg. "Für die Lebensqualität in der Stadt wird das ein echter Quantensprung sein", sagt Frank Fligge, Redakteur bei den "Ruhr Nachrichten". Schon heute gewinnt Dortmund, anders als die anderen Ruhrgebietsmetropolen, die Abstimmung mit den Füßen: Seit 2000 ist die Bevölkerung um 3 000 auf jetzt 590 000 gestiegen. Und bereits jetzt arbeitet knapp jeder zweite Dortmunder in Zukunftsbranchen, im Bundesdurchschnitt ist es nur jeder Dritte. Überproportional viele neue Jobs entstehen vor allem im Dienstleistungssektor. Dort stieg die Zahl der Beschäftigten seit 1999 um fast zehn Prozent - das Plus ist dreimal so groß wie im Bundesdurchschnitt. Unter dem Strich entstehen nach Erhebungen der Industrie- und Handelskammer 1 000 neue Unternehmen jährlich - vor allem kleine, innovative Softwarefirmen, Logistikdienstleister und Mikrotechnik-Start-ups.

"Wir entwickeln uns vom Dreibein zum Tausendfüßler", sagt Klaus Günzel, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dortmund.

Mitverantwortlich für diesen beispielhaften Turn-around ist das "dortmund-project", eine in dieser Form im Ruhrgebiet einmaligen Initiative - ins Leben gerufen von der Stadt, Thyssen-Krupp sowie McKinsey. Dortmund soll bis 2010 in nichts weniger verwandelt werden als "einen der führenden Technologiestandorte" Europas. Rund sieben Millionen Euro investiert die Stadt jährlich, vor allem in die Anwerbung von Jungunternehmern.

"Unser Grundsatz ist, überall auf vorhandenen Stärken aufzubauen", betont "dortmund-project"- Chef Udo Mager. Die Logistikbranche ist so eine Stärke: Neben dem wissenschaftlichen Know-how des ortsansässigen Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik kann Dortmund mit guten Verkehrsanbindungen punkten: Noch aus der Boomphase der Schwerindustrie stammt das dichte Netz von Autobahnen in alle Himmelsrichtungen. Der Hafen bietet direkten Zugang zum Dortmund-Ems-Kanal - und Europas größter Binnenhafen in Duisburg liegt quasi um die Ecke.

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