Dot-Net gegen den Rest der Welt
Web-Services holen ihre Daten im Internet

Zu den heißesten Trends der Cebit gehören die Web-Services: Mit dieser Verbindung von Software und Datenbanken im Internet soll die Ära des Personalcomputers endgültig zu Ende gehen. Computerprogramme werden dabei oft nicht mehr auf einem PC installiert, sondern bei Bedarf im Internet aufgerufen - von einer Vielzahl unterschiedlicher Geräte. Auch bei dieser Technik will sich Microsoft wieder an die Spitze setzen und möglichst viele Entwickler für seine .Net-Strategie (ausgesprochen: "Dot-Net") gewinnen.

WiWo/ap FRANKFURT/M. Die Konkurrenz setzt vor allem auf einen weiteren Ausbau der Java-Technik und wird einmal mehr von Sun Microsystems, Oracle und IBM angeführt.

Die praktische Umsetzung von Web-Diensten steht noch ganz am Anfang. Zu den ersten sichtbaren Ergebnissen gehört eine Art Reisepass für den Internet-Surfer: Das Passport-System von Microsoft soll unter anderem das Ärgernis abschaffen, dass man sich bei bestimmten Internet-Angeboten immer erst neu anmelden muss - und das einmal gewählte Kennwort vielleicht schon längst wieder vergessen hat. Eine andere Nutzung sind Finanzplaner, die mit Daten aus dem Internet automatisch die Kurse bestimmter Wertpapiere aktualisieren.

Das ist aber nur ein winziger Ausschnitt der Möglichkeiten, die sich mit Web-Services vor allem Unternehmen bieten. So wie ein Computerprogramm auf einem PC auf Daten in verschiedenen Verzeichnissen der Festplatte zugreift, sollen Software-Anwendungen künftig im Internet umher schwirren, verschiedene Web-Seiten aufrufen und dort vorgefundene Daten verarbeiten. Das Betriebssystem - Windows, Mac oder Linux - spielt dabei ebensowenig noch eine Rolle wie der Empfänger: Bei diesem "Client" kann es sich um einen PC handeln, aber auch um ein Mobiltelefon oder die Navigationszentrale im Auto.

Web-Dienste nutzen offene Standards wie XML: Die "Extensible Markup Language" macht Dokumente auf einfache Weise maschinenlesbar, indem ihre Struktur in ein festes Schema gepresst wird. Dieses wird dann einheitlich für alle Informationen eines bestimmten Typs wie etwa Börsenkurse oder Wetterberichte eingesetzt. Außerdem werden Web-Dienste im Baukastensystem entwickelt, mit Bibliotheken von einzelnen Bausteinen, auf die ein Programm bei Bedarf zugreift. Diese Bestandteile von Anwendungen können auch an verschiedenen Orten im Internet gespeichert sein: Eine von Microsoft, Sun, IBM und anderen vereinbarte "Web Services Description Language" (WSDL) legt fest, auf welche Weise die verstreut liegenden Komponenten und Daten angesprochen und zusammengeführt werden.

Im Februar hat Microsoft (Halle 4, Stand A38) nach dreijähriger Entwicklung das zentrale Werkzeug für die Entwicklung von Web-Diensten nach der .Net-Strategie eingeführt: Mit dem Visual Studio.Net sollen Programmierer jetzt damit anfangen, die Anwendungen der Zukunft gestalten. Bei der Vorstellung der Entwicklungsplattform verband Chef-Softwaredesigner Bill Gates das für Microsoft noch etwas ungewohnt klingende Plädoyer für offene Standards wie XML mit dem Hinweis auf die Vielzahl unterstützter Programmiersprachen: Mit Visual Studio.NET könne ein Entwickler in mehr als 20 Sprachen programmieren - darunter auch Java in der Microsoft-Fassung Visual J# (englisch auszusprechen als "J sharp") und die neue Microsoft-Programmiersprache C# (""C sharp"). Für das Ergebnis spielt aber auch die Programmiersprache künftig nicht mehr eine so entscheidende Rolle wie bisher: Als Web-Service greift eine Anwendung auf die gleichen Daten zu.

Die Konkurrenten melden jedoch ihre Zweifel an, ob .NET wirklich nur offene Standards verwendet oder nicht doch ein "Microsoft-Internet" etablieren will, wie es auf dem Titel der Fachzeitschrift "c't" genannt wird. Sun (Halle 1, Stand 8A2) will die Unterstützung für Web-Dienste bis zum Jahresende in seine "Java 2 Enterprise Edition" (JSEE) einbauen - in der Zwischenzeit hat Sun im Rahmen seines Projekts "Sun Open Net Environment" (SunONE) ein spezielles Entwicklerwerkzeug für Web-Dienste herausgebracht.

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