Dow-Jones als einziger Einflußfaktor
Euro scheitert an wichtiger Marke

Der Euro hat am Dienstag bei einem impulslosen Handel die psychologisch wichtige Marke von 0,90 $ nicht überwinden können. Die Währung pendelte nach dem Kursrutsch am Vortag in einer engen Spanne um 0,8960 $. Die erwartungsgemäß ausgefallenen Wachstumsdaten aus Frankreich hätten den Kurs kaum bewegt. Der Blick der Anleger richte sich abermals auf die US-Aktienmärkte am Nachmittag.

Reuters FRANKFURT. Der Euro hatte am Montag vor allem wegen der Kurserholung an der Wall Street rund ein Prozent an Wert eingebüßt. Das Interesse konzentriere sich derzeit vorwiegend auf den Yen-Dollar-Handel. Die japanische Währung sank zum Dollar auf ein Vier-Wochen-Tief, weil die Ratingagentur Standard & Poor's die Wirtschaftslage des Landes skeptischer einschätzte.

Im Referenzkursverfahren Euro-FX wurde der Euro mit 0,8963 nach 0,9049 $ am Montag festgesetzt. Ein Dollar kostete damit 2,1821 (2,1614) DM. Zur japanischen Währung wurde der Euro mit 109,39 (108,78) Yen festgelegt. Die US-Valuta notierte mit 121,87/93 Yen nach einer letzten Notierung am Vortag in New York mit 121,01/06 Yen.

"Ich habe den Eindruck, dass der Dollar derzeit nach dem Dow-Jones-Index gehandelt wird", sagte ein Händler in Frankfurt. Ansonsten gebe es derzeit keine Einflussfaktoren. Die Bekräftigung des Interesses an einem starken Euro durch den französischen Nationalbankpräsidenten Jean-Claude Trichet sowie seine Wachstumsprognose von 2,0 % für die Euro-Zone in diesem Jahr seien nicht beachtet worden. Auch das französische Wachstum im zweiten Quartal habe die Kurse nicht bewegt, hieß es am Markt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist in Frankreich im zweiten Quartal 2001 im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 % gestiegen nach 0,4 % in den ersten drei Monaten. "Die französischen Daten haben den Erwartungen entsprochen und wir sehen eine leichte Revision der überverkauften Position vom Montag", sagte ein Händler einer US-Bank in London.

Yen/Dollar-Handel interessanter

Da der Euro derzeit überverkauft sei, schlossen Händler eine leichte Erholung und einen weiteren Versuch, die Barriere bei 0,90 $ zu nehmen, nicht aus. Die Gemeinschaftswährung könnte sogar wieder die Marke von 0,9020 testen. Sollte die Gemeinschaftswährung über diesen Kurs hinaus anziehen, dürfte sie sich weiter festigen. Andere Händler sahen den Euro bis zur Veröffentlichung der Wachstumsdaten für die Euro-Zone am Donnerstag allerdings in einer engen Spanne zum Dollar in etwa auf dem derzeitigen Niveau. Das europäische Statistikamt Eurostat gibt am Donnerstag um 12.00 Uhr MESZ das BIP der EU-Mitgliedsstaaten für das zweite Quartal bekannt. Von Reuters befragte Volkswirte prognostizierten ein Plus zum Vorquartal von nur noch 0,2 % nach 0,5 % im ersten Quartal. Die Jahresrate würde sich dann auf 1,9 von 2,5 % verringern.

Nach den jüngsten schwachen Konjunkturdaten aus den USA und Japan sei gegenwärtig der Yen/Dollar-Handel für viele Marktteilnehmer interessanter. Dabei spekulierten einige Händler, bei dem Gespräch der Finanzminister beider Länder am Mittwoch könnten Interventionen vereinbart werden, um den Yen zu schwächen und so der japanischen Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Andere rechneten dagegen eher damit, dass Finanzministers Masajuro Shiokawa und sein US-Amtskollegen Paul O'Neill keine greifbare Vereinbarung vorlegen werden.

Die Ankündigung der Ratingagentur Standard & Poors, möglicherweise die Bonitätsbewertung japanischer Staatsanleihen herunterzustufen, hat Händlern zufolge die Probleme der japanischen Wirtschaft weiter in den Mittelpunkt gerückt und den Dollar vorübergehend auf ein Vier-Wochen-Hoch zum Yen bei 121,75 Yen anziehen lassen. "Der Fokus liegt auf der schwachen japanischen Wirtschaft. Die von S&P in Aussicht gestellte Abstufung der Bonität hat die Besorgnisse verstärkt", sagte Russel Jones vom Investmenthaus Lehman Brothers. Erst vor einer Woche hatte Moody's Investors Service die Überprüfung der Bonität japanischer Staatsanleihen angekündigt.

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