Dow Jones übertrifft trotz mäßiger Quartalszahlen knapp die Erwartungen
US-Zeitungsverlage leiden unter anhaltender Werbeflaute

Mit Pflanzen bepackt werden die Mitarbeiter der New Yorker Verlagsgruppe Dow Jones am Wochenende ihr Büro verlassen. Der Herausgeber des Wall Street Journal verschenkt das Grünzeug und will dadurch jährlich 40 000 $ einsparen. Trotz dieser ungewöhnlichen Kostensenkung legte Dow Jones am Donnerstag in New York enttäuschende Zahlen vor. Kräftig sparen müssen auch die anderen US-Zeitungsverlage.

HB NEW YORK. Der Gewinn des Unternehmens hat sich im 2. Quartal mit 45,5 Mill. $ im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert. Damit lag Dow Jones knapp über den pessimistischen Erwartungen der Analysten. Der Umsatz im letzten Quartal sank um mehr als 100 Mill. $ auf 484 Mill. $. Diese Differenz ist fast ausschließlich durch einen Anzeigeneinbruch begründet. Das Anzeigenvolumen brach in diesem Quartal um 37 % ein.

Das Verlagshaus leidet besonders stark unter der anhaltenden Anzeigenflaute. Dow Jones ist Mitgesellschafter des Handelsblattes. Douglas Arthur, Branchenspezialist bei Morgan Stanley Dean Witter, sieht noch keine Besserung: "Als Wirtschaftszeitung generiert das Wall Street Journal etwa die Hälfte aller Anzeigen aus der Finanz- und Technologiebranche". Letzterer fehle bekanntlich das Geld für Werbung.

Analyst hält Personalabbau für kurzsichtig

Die Folge sind harte Einschnitte in den Verlagen. Bei Dow Jones sind die Auswirkungen bereits zu spüren: "Statt der angekündigten 75 Mill. $ hat Dow Jones tatsächlich 120 Mill. eingespart", sagt Arthur. Der Verlag hat hierfür in den ersten sechs Monaten mehr als 700 Stellen gestrichen. In dieser Woche wurden 16 Redakteure entlassen. Der Personalabbau sei jedoch kurzsichtig: "Die Kosten sinken zwar, doch das Anzeigenvolumen des Wall Street Journal steigt nur, wenn sie mehr Leser bekommen", kritisiert der Analyst. Dafür benötige das Blatt jedoch genügend Journalisten für exklusive Berichte.

Trotz dieser Bedenken wollen die meisten Verlage die Kosten auch durch Entlassungen senken. Etwa das zweitgrößte Zeitungskonzern der USA, Knight Ridder: Dort wurde die Belegschaft in diesem Jahr um 10 % verringert. Von 8 bis 9 % seiner Mitarbeiter wird sich die New York Times trennen.

"Die nähere Zukunft der Verlagshäuser sieht keineswegs rosig aus", sagt Edward Atorino, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. In den Monaten August und September sei das Anzeigengeschäft traditionell schwach. "Außerdem können die Kostensenkungen kurzfristig nicht auf die Ergebnisse durchschlagen." Frühstens im 4. Quartal rechnet er mit besseren Zahlen. Diese werden jedoch "maximal auf dem Niveau des Vorjahres liegen".

Gannett Company, Herausgeber von USA Today und größtes US-Verlagshaus, werde wohl am besten abschneiden. "Das Unternehmen verfügt über viele lokale Zeitungen. Die sind nicht so anfällig auf Werbeeinbrüche wie die großen nationalen Blätter", sagt Atorino.

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