Dow schafft die 10 000 – und rutscht ins Minus

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Dow schafft die 10 000 – und rutscht ins Minus

Die Wall Street hat am Donnerstagmorgen erneut im Plus eröffnet und der Dow Jones kletterte schon in den ersten Handelsminuten über die einst "magische 10.000" - die im aktuellen Handel aber viel von ihrem Zauber eingebüßt hat und zur Fußnote verkommen ist. Eine halbe Stunde nach der Glocke rutschen die beiden großen Indizes in die Verlustzone: der Dow gibt 26 Zähler ab, die Nasdaq verliert im einstelligen Bereich.

Obwohl Händler wie Anleger hoffen, dass der Dow nach mehr als einem Monat wieder über 10.000 Punkten schließen kann, stellt dieser Stand keine Barriere mehr da. Marktbeobachter wollen Tagesgewinne selbst im dreistelligen Bereich zur Zeit nicht überbewerten. "Der Dow legt über 100 Punkte zu, aber es ist unglaublich ruhig - das Handelsvolumen ist seit einer Woche schwach", meint Jay Suskind, Direktor des kleinen Brokerhauses Ryan Beck, nach der 125-Punkte-Rally der Wall Street gestern. "Im Markt ist Optimismus auf einen konjunkturellen Aufschwung, aber die Frage ist, wann sich dieser in Unternehmensgewinnen niederschlägt."

Die Zahlen aus dem Arbeitsmarkt bringen am Morgen offensichtlich nicht mehr viel Optimismus: Erneut sind die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung um 8000 auf 3730ß00 gefallen und notieren damit unter dem erwarteten Niveau. Dennoch dürfen Anleger nicht übersehen, dass die Zahl derer, die erstmals Geld von Uncle Sam wollen immer noch sehr hoch ist. Bei einer Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent sind die USA von ihren historischen Quoten noch immer weit entfernt.

Etwas schwächer als zunächst erwartet geht Hewlett-Packard in den Handel. Der Drucker-Hersteller, der im Dow Jones Index notiert ist, hat am Vorabend Quartalsergebnisse über den Erwartungen der Wall Street vorgelegt. Mit Blick auf den ungewissen Merger mit Compaq, den Streit zwischen Firma und der Gründerfamilie Hewlett, und unsicheren Aussichten im gesamten Tech-Bereich gibt sich CEO Carly Fiorina in ihrem Ausblick vorsichtig: Das Umfeld sei "nicht einzuschätzen", sagt sie, "die Firma muss mehr tun als ihre Politik der kleinen Schritte weiter zu verfolgen." Die Analysten der Credit Suisse First Boston empfehlen die Hewlett-Packard-Aktie nur zu "halten". Sie sehen die Nachfrage zu kurzfristig und zu konsumenten-lastig und vermissen das Engagement von Firmenkunden, deren Investitionen 2002 weiter schwach bleiben sollen. Hewlett-Packard notiert schwach behauptet.

Weiter unter Druck stehen am Donnerstag die Finanztitel. Die großen Banken haben in den letzten beiden Monaten dramatisch verloren - Citigroup etwa 10 Prozent, JP Morgan Chase gar 16 Prozent. Die Banken leiden unter den zahlreichen Unternehmenspleiten der letzten Wochen, manche stehen vor Kreditverlusten in Milliardenhöhe. Nach (später dementierten) Gerüchten, die Rating-Agentur Moody?s könnte die Kreditwürdigkeit für JP Morgan senken, verlor die Aktie der zweitgrößten US-Bank am Mittwoch 5 Prozent, am frühen Donnerstagmorgen gibt sie weitere 2,3 Prozent ab. Citigroup verliert 1,5 Prozent.

Mit 1,4 Prozent im Plus stützt hingegen die Aktie von American Express den Dow Jones. Und ausgerechnet die Analysten von JP Morgan stecken dahinter: Sie sprechen eine "Kauf"-Empfehlung aus und nennen ein Kursziel von 40 Dollar für die Aktie, die aktuell für 34 Dollar gehandelt wird. Die Experten sehen für American Express einen Boden erreicht, und erwarten, dass vor allem die Reise- und Entertainment-Sparte des Finanzdienstleisters wieder Gewinnzuwächse verzeichnen kann.

Zu den großen Tech-Gewinnern am Donnerstagmorgen gehört Intuit. Der Hersteller von Steuer-Software weist höhere Verkäufe als erwartet aus, und profitiert von verbesserten Investitionen seiner Kunden. Der Umsatz bei Intuit stieg im abgelaufenen Quartal um 20 Prozent auf 547 Millionen Dollar, allerdings ist vierte Quartal eines Jahres traditionell das stärkste, da sich viele Steuerzahler auf die Abgabe der Einkommensteuerdokumente vorbereiten. Die Aktie von Intuit verbessert sich um 6 Prozent.

Mit 6 Prozent im Minus hat hingegen Brocade den Handel aufgenommen. Der Speicherkomponenten-Hersteller hat im vergangenen Quartal nur 12 Millionen Dollar oder 5 Cent je Aktie verdient, was einem Gewinneinbruch um 64 Prozent entspricht. Der Umsatz rutschte um ein Viertel auf 123 Millionen Dollar. Brocade wurde somit von der allgemeinen Ausgabeschwäche in der IT-Industrie voll erwischt. Einen positiven Ausblick für Brocade wagt die Credit Suisse First Boston, die die Aktie auf "Kaufen" aufstuft. Die Experten von Thomas Weisel und USB Piper Jaffray hingegen stufen die Aktie ab und finden sie zu teuer.

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