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Dr. Klaus Mangold

Der Vorstandsvorsitzender der Daimler-Chrysler Services AG empfiehlt Goethes Faust.

Es war alles andere als Liebe auf den ersten Blick. Ich quälte mich durch "Der Tragödie erster Teil", weil der Deutschlehrer es so wollte. Gründgens war es, dessen Mephisto mir später die Augen für die Lebensnähe des Faust öffnete - kaum ein Aspekt des Menschlichen, der bei ihm nicht vorkommt. Sofort las ich den Faust zum zweiten Mal - und ein Buch mit sieben Siegeln wurde zum Faszinosum. Verblüffend, wie tief Goethe in die letzten Winkel der menschlichen Seele hineingeleuchtet hatte. Begeistert überhäufte ich meine Mitwelt in der Folge mit Faust-Zitaten.

Nachdem ich Peter Steins Inszenierung des ungekürzten Faust gesehen hatte, nahm ich das Buch nochmals zur Hand. Wieder war ich verblüfft. Denn konnte es sein, dass Faust schon lange vor uns ins globale Dorf aufgebrochen war? Im Gegensatz zu seiner Zeit erhöht er sein Lebenstempo: "Fluch vor allem der Geduld!"

Faust ist weder ein Ratgeber für alle Lebenslagen noch ein Vademekum für den Alltag. Eher handelt es sich - und das ist das Faszinierende - um einen zeitlosen Mikrokosmos menschlicher Möglichkeiten. Darin trifft es oft genau den Punkt oder - um mit Faust zu sprechen - "des Pudels Kern".

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