Draht zu Kunden verloren
Gap-Chef Drexler kündigt Rücktritt an

Millard Drexler, Chef der US-Bekleidungskette Gap Inc., hat überraschend angekündigt, in den nächsten Monaten von seinem Posten zurückzutreten. Der 57-Jährige galt als Mann mit einer Spürnase für Modetrends in der breiten Bevölkerung, seit er vor zwei Jahrzenten vorhersagte, dass die Amerikaner den Freizeitlook für sich entdecken.

su/wsj SAN FRANCISCO. Drexler kleidete die Nation in Khakis und verwandelte Gap - die einstige Verkaufskette von Levis-Jeans - in den größten Textilfilialisten in den USA, mit den drei Marken Gap, Old Navy und Banana Republik.

Drexler hat oft davon gesprochen, Gap solle in der Bekleidungsindustrie werden, was Coca-Cola bei den Getränken ist. Den Höhepunkt seiner Popularität erreichte das Unternehmen 1996, als die Schauspielerin Sharon Stone im Gap-Outfit zur Oscar-Verleihung schritt. Doch in den vergangenen zwei Jahren hat Drexler den Draht zu seinen Kunden verloren. Billigere Anbieter wie die Target-Discounter und teurere, aber bei der Jugend angesagte Konkurrenten wie Abercombie & Fitch nahmen Gap Marktanteile weg.

Die Aktie verlor allein in den vergangenen 12 Monaten die Hälfte ihres Wertes, der Druck Drexler wuchs. Zuletzt musste das Unternehmen wieder einen Rückgang seiner Verkäufe im Vergleich zum Vormonat melden - den 24. Monat in Folge. Drexler hat 19 Jahre bei Gap gearbeitet, seit 1995 war er Chef. Er machte das 1969 gegründete Unternehmen zum Trendsetter, der er heute ist, mit mehr als 4 000 Filialen in sechs Ländern. Doch diese Größe ist offenbar nichts für Drexler: Seinen Rücktritt begründete der Manager unter anderem damit, dass er beim Giganten Gap seiner Passion nicht mehr nachgehen kann: das Geschäft aufzubauen. "Ich habe es stets genossen, nah am Kunden zu sein, und den kreativen Teil des Geschäfts geliebt", sagt er. Die Anforderungen an den Chefposten bei Gap hätten ihn davon immer weiter weggebracht. "Ich würde gern wieder etwas Kleineres machen."

Donald Fisher, 73-jähriger Firmengründer und Verwaltungsratschef, setzte hinzu: "Ich habe erkannt, dass er eine Firma von unserer Größe nicht gern führt." Drexlers Entscheidung sei kein Schock für ihn gewesen. "Weil wir so groß geworden sind, müssen wir meiner Ansicht nach nun ein breiter aufgestelltes Management haben mit jemandem an der Spitze, der seinen Job wirklich gern macht." Mit der Rückkehr zu den einfachen Designs, mit denen Gap berühmt geworden ist, soll das Unternehmen wieder saniert werden.

Die Suche nach seinem Nachfolger hat begonnen. Bis der gefunden ist, will Drexler aber noch ausharren.

Quelle: Handelsblatt

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