Dramatik pur
Teichmann sprintet zu Staffel-Silber

Axel Teichmann sank erschöpft auf die Knie, seine Kollegen tollten ausgelassen durch den Schnee und die Trainer fielen sich im Zielbereich jubelnd um den Hals: In einem an Dramatik nicht zu überbietenden Rennen haben die deutschen Langläufer mit Silber hinter Norwegen den größten Staffel-Erfolg seit 29 Jahren gefeiert.

HB/dpa VAL DI FIEMME. Im Finish musste sich Teichmann zwar "Sprint-König" Thomas Alsgaard um die Winzigkeit von 0,2 Sekunden geschlagen geben, doch das DSV-Quartett mit Jens Filbrich, Andreas Schlütter, René Sommerfeldt und dem 15-km-Weltmeister als Schlussläufer konnte sich nach einem Wechselbad der Gefühle dennoch als Gewinner fühlen.

"Damit habe ich nicht mehr gerechnet", erklärte Bundestrainer Jochen Behle nach einem der stressigsten Rennen seiner Laufbahn. Noch 2,5 km vor dem Ziel lag der Schwede Jörgen Brink mit über 20 Sekunden Vorsprung auf Gold-Kurs, doch am letzten Anstieg verließen ihn die Kräfte. "Da hat ihn die Blaumeise gezwitschert", beschrieb Teichmann den entscheidenden Moment. Gemeinsam mit Alsgaard stürmte der Lobensteiner an dem Schweden vorbei, nachdem das Tandem zuvor schon den russischen Schlussläufer überflügelt hatte. "Wir waren uns auf der Strecke einig und haben abwechselnd Tempo gemacht", berichtete Teichmann.

Erst auf der Zielgeraden war es mit der Einigkeit vorbei. Teichmann zog den Spurt früh an, "weil ich vor den Korridoren neben ihn kommen wollte". Doch der Norweger hatte in dem packenden Finish die schnelleren Beine. Der Bundestrainer wollte dann auch gar nicht über Hätte und Wenn diskutieren. "Ich hatte nicht das Gefühl, dass Axel gewinnen kann. Er hat eine super letzte Runde absolviert, wir sind mit Silber sehr zufrieden", meinte Behle.

Nach dem Gala-Auftritt in seinem ersten Staffel-Rennen seit vier Jahren fährt Teichmann mit zwei Medaillen im Gepäck als großer Gewinner nach Hause. "Ich bin hochzufrieden", zog der 23-Jährige sein persönliches Fazit und kündigte für das WM-Heimspiel in zwei Jahren in Oberstdorf eine Revanche an: "Ich hoffe, dass es dann noch besser wird."

Große Erleichterung verspürte Andreas Schlütter, der fast zur tragischen Figur geworden wäre. Nach gutem Beginn von Startläufer Jens Filbrich (Frankenhain) brach der Routinier auf der zweiten Schleife ein und verlor wichtigen Boden. "Ich wollte am Schweden Fredriksson dran bleiben, aber sein Tempo war zu hoch. Bei 6,6 km war der Ofen aus, da hat es mir die Beine weggedreht. Ich konnte keinen normalen Schritt mehr machen", berichtete der 30-jährige Oberhofer, der mit seiner Leistung haderte. "Ich bin sauer auf mich, weil ich eigentlich eine Bank in der Staffel bin", erklärte der WM-Fünfte über 15 und 30 km.

Am Ende wich der Frust der Freude. "Das ich mit einer Medaille nach Hause gehe, ist ein Traum. Ich muss ein Kompliment an meine drei Kollegen machen. Sie haben es heute rausgerissen", meinte Schlütter, der mit einem Rückstand von 35,5 Sekunden auf Position fünf an René Sommerfeldt übergab. Der Oberwiesenthaler, der sich in der ersten WM- Woche mit gesundheitlichen Problemen geplagt hatte, lief ein starkes Rennen und lieferte Teichmann damit die Steilvorlage für das dramatische Finale. "Ich denke, ich habe einen guten Job gemacht", meinte der Zweite im Gesamt-Weltcup, der am Mittwoch im Sprint ebenfalls Medaillenchancen besitzt.

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