Dramatische Kostensituation bei einzelnen Häusern
Fusionsdruck auf Sparkassen nimmt zu

Zügig umsetzen will die Deutsche Sparkassenorganisation vor allem Zusammenschlüsse in Wirtschaftsregionen.

DÜSSELDORF. Die anhaltende Konjunkturschwäche, die schwachen Finanzmärkte sowie der steigenden Wettbewerbsdruck verschärft den Fusionsdruck auf die Sparkassen enorm. Längst suchen auch größere Häuser den Zusammenschluss, nicht mehr nur kleinere Institute. Dies zeigt der geplante Schulterschluss von Frankfurter und Nassauischer Sparkassen. Experten erwarten, dass sich die Zahl der 537 Sparkassen in den nächsten Jahren halbieren wird.

Vor zehn Jahren gab es in Deutschland noch 748 Sparkassen. Laut einer Studie der Unternehmensberatung AT Kearney erwartet fast jede fünfte Sparkasse innerhalb von zwei Jahren eine Fusion ihres Hauses.

Zügig umgesetzt werden sollen nach dem Willen der Deutschen Sparkassenorganisation Fusionen vor allem da, wo mehrere Institute in derselben Region miteinander im Wettbewerb stehen oder sich eine einheitliche Wirtschaftsregion herausbildet. Anschub erhält die Konzentration auch durch neue Sparkassengesetze, in denen Fusionen erleichtert wurden. So erlaubt Nordrhein-Westfalen künftig innerhalb von Wirtschaftsregionen auch Fusionen zwischen nicht aneinandergrenzenden Instituten. Vor allem das ungünstige Verhältnis von Aufwand und Ertrag erhöht den Druck auf die Sparkassen. Innerhalb von fünf Jahren verschlechterte sich diese Relation deutlich von 62,7 Prozent auf 69,8 Prozent. Damit haben die Sparkassen den Korridor von 55 bis 65 Prozent verlassen, der in der Kreditbranche als ein guter Wert gilt.

Doch die Durchschnittswerte verdecken die Dramatik bei einzelnen Häuser. Laut einer neuen Studie der MM-Consulting verzeichneten bereits im Jahr 2000 Sparkassen in Hildesheim, Sigmaringen oder Fürth eine Cost-Income-Ration von mehr als 90 Prozent. Das bedeutet, dass die Institute für einen Euro Ertrag 90 Cent zahlen. Dagegen erzielten die Sparkassen in Tuttlingen, Pforzheim oder Heppenheim Spitzenwerte von unter 55 Prozent. Doch die Kosten aller Häuser werden steigen, nicht zuletzt durch höhere aufsichtsrechtliche Anforderungen oder die neuen Eigenkapitalregeln (Basel II).

Fusionen allein aus Gründen der Synergieeffekte betrachten viele Sparkassenchefs kritisch. Die Synergien würden überschätzt, warnte jüngst bei einer Euroforumtagung der Vorstandschef der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, Horst Kary, im Hinblick auf zwei erfolgte Fusionen seines Hauses. "Dies ist allein schon deshalb der Fall, weil die zuständigen Politker ihre Zustimmung für eine Sparkassenfusion generell von einem Verzicht auf fusionsbedingte Entlassungen abhängig machen", betonte der Vorstandschef der Kreissparkasse Hannover, Bernhard Schäfer, dessen Haus derzeit über einen Zusammenschluss mit der Stadtsparkasse Hannover verhandelt. Die Auswirkungen von Fusionen auf das Betriesbergebnis sollten Sparkassen nicht überschätzen. Hier rechnet die Unternehmensberatung AT Kearney mit einer Steigerung des Gewinns um 15 Prozent durch Einsparungen bei Entwicklung, Vertrieb und Abwicklung. Weitaus mehr könnten die Sparkassen dagegen durch eine Bündelung der Kräfte erreichen, beispielsweise durch Maßnahmen wie die Verstärkung des Vertriebs, eine Reduzierung des Filialnetzes, einen zentralisierten Einkauf oder eine optimale Mengenbündelung.

Quelle: Handelsblatt

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