Dramatische Verschärfung des Überalterungsproblems
Statistikamt rät zu späterem Rentenbeginn

Dass die Bevölkerung in Deutschland bis Mitte dieses Jahrhunderts immer älter wird und schrumpft, ist nicht neu - dass die Überalterung sich rascher vollzieht, dagegen schon. Grund: Die Lebenserwartung steigt schneller als noch vor drei Jahren erwartet.

ari DÜSSELDORF. Dieses Ergebnis der jüngsten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes unterstreicht, wie dringend es ist, bereits heute die Folgen dieser so genannten demographischen Entwicklung vor allem für die Finanzierung der Sozialsysteme abzufedern. Eine mögliche Maßnahme ist die Heraufsetzung des gesetzlichen Renteneintrittsalters auf 67 Jahre. Politiker, Institute und Wirtschaftsverbände, die sich in jüngster Zeit für einen entsprechenden Vorschlag des Wissenschaftlers Bert Rürup stark machen, werden mit Genugtuung registrieren, dass auch die Statistiker sich dafür aussprechen.

Gehen wie heute die Beschäftigten mit 60 Jahren in Rente, wird sich nach den neuen Modellrechnungen des Statistikamtes das Verhältnis der Personen im Rentenalter zu denen im erwerbsfähigen Alter bereits zwischen 2020 und 2030 dramatisch verändern. Diese Kennziffer, der Altersquotient, springt nach der wahrscheinlichsten Variante der Statistiker in diesem Zeitraum von 55 auf 71, weil dann die letzten geburtenstarken Jahrgänge vor dem Pillenknick in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts ins Rentenalter kommen. 100 Personen im Erwerbsalter müssten 2030 die Altersversorgung von 71 Rentnern finanzieren und nicht mehr nur von 44 wie heute. Bis zum Jahr 2050 würde der Altersquotient weiter auf 78 steigen.

Weder eine unwahrscheinliche Erhöhung der zu niedrigen Geburtenrate noch eine verstärkte Zuwanderung würden diesen Anstieg deutlich bremsen. Gelingen könnte dies aber, wenn der Ruhestand im Durchschnitt erst mit 65 Jahren begänne. Der Altersquotient wäre dann 2030 mit 47 nur wenig höher als heute. Bis 2050 würde er ebenfalls langsamer auf 54,5 steigen.

Um dieses Verhältnis zu erreichen, müsste nach Ansicht des Präsidenten des Statistischen Bundesamtes Johann Hahlen aber die gesetzliche Altersgrenze auf 67 Jahre erhöht werden, da das tatsächliche Renteneintrittsalter immer darunter liege. Niedrigere Rentenbeiträge bleiben dennoch eine Illusion. Denn 65-Jährige werden 2050 voraussichtlich sechs Jahre länger leben als heute. Die Rentenbezugszeit wäre also etwa gleich lang.

Auch im Arbeitsleben wird die Überalterung sichtbar werden. Schon in weniger als 20 Jahren werden nach Angaben der Statistiker die 50- bis 64-Jährigen die größte Altersgruppe der Menschen im erwerbsfähigen Alter stellen und nicht mehr wie heute die 35- bis 49-Jährigen.

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