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Dramatische Zuspitzung im Nahen Osten nach Anschlag auf Schulbus

Die Situation im Nahen Osten hat sich am Montag dramatisch zugespitzt. Bei einem Anschlag auf einen Schulbus jüdischer Siedler nahe der Siedlung Kfar Darom im Gazastreifen wurden zwei Erwachsene getötet und neun Insassen zum Teil schwer verletzt, darunter mehrere Kinder. Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak berief sein Sicherheitskabinett zu einer Krisensitzung ein, um über Vergeltungsmaßnahmen zu beraten. Am Nachmittag feuerten israelische Kampfhubschrauber dann Dutzende Raketen auf Gaza ab.

ap KFAR DAROM. Kurz nach den ersten Raketentreffern erloschen in der Großstadt die Lichter. Getroffen wurden die Hauptquartiere der palästinensischen Polizei und der Sicherheitspolizei sowie ein Gebäude der Fatah-Bewegung.

Der mit einer Mörsergranate verstärkte Sprengsatz wurde gezündet, als der gepanzerte Bus mit Grundschulkindern vorbeifuhr. Unter den neun Verletzten sind drei sieben, acht und zwölf Jahre alte Geschwister, denen nach Krankenhausangaben Teile von Armen oder Beinen abgerissen wurden. Gezündet wurde der Sprengsatz nach Militärangaben von drei Männern, die anschließend in palästinensisch verwaltetes Gebiet flüchteten.

Zu der Tat bekannten sich drei Gruppen: die Palästinensische Hisbollah, die Al-Aksa-Märtyrer und die einzige davon bisher einschlägig bekannte Organisation Omar el Muchtar. Der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, Jassir Arafat, beriet mit seinen Sicherheitsexperten und ordnete eine Ermittlung an. Sein Berater Nabil Aburdeneh sagte, die Autonomieregierung habe nichts mit dem Anschlag zu tun und verurteile jegliche Gewalt.

Der Anschlag erhöhte den innenpolitischen Druck auf Barak, dem seine Kritiker vorhalten, nicht entschieden genug gegen gewalttätige Palästinenser vorzugehen. Auf das Schulbuswrack wurde auf hebräisch der Satz gesprüht: "Das haben wir von Zurückhaltung." Barak vertritt die Linie, auf Gewalttaten entschlossen, aber auch zurückhaltend zu reagieren, um nicht in ein militärisches Abenteuer gezogen zu werden.

Oppositionsführer Ariel Scharon warf Barak vor, den Schutz der Bürger zu vernachlässigen. Der stellvertretende Verteidigungsminister Ephraim Sneh machte Arafat für den Anschlag verantwortlich. Barak berief sein Sicherheitskabinett zu einer Krisensitzung ein.



Offenbar auch Flüchtlingslager beschossen



Nach stundenlangen Beratungen des Kabinetts griffen die Kampfhubschrauber am frühen Abend Gaza an. Nach einem israelischen Fernsehbericht wurde auch das Flüchtlingslager Dschabalija am Stadtrand beschossen. Palästinensische Schützen schossen laut Rundfunkberichten mit Gewehren auf die Hubschrauber.

Bei den Unruhen wurden seit Ende September mehr als 230 Menschen getötet, die meisten davon Palästinenser. Arafat hatte erst vergangene Woche angeordnet, von Gebieten unter palästinensischer Verwaltung aus nicht mehr auf Israelis zu schießen. Das Verbot erstreckt sich aber nicht auf Gebiete im Gazastreifen und Westjordanland, die nicht unter palästinensischer Kontrolle stehen. Die Straße im Gazastreifen, auf der der gepanzerte Schulbus angegriffen wurde, steht unter israelischer Kontrolle.

Die Panzerung des Schulbusses und die relativ große Entfernung zwischen Bus und Sprengsatz hätten noch Schlimmeres verhindert, sagte ein Militärsprecher. Unter den erwachsenen Todesopfern ist eine 35-jährige Mutter von vier Kindern.



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