Dramatischer Auftragsrückgang
Krise der Bauwirtschaft verschärft sich

Ein Ende der Talfahrt der schwer angeschlagenen deutschen Bauindustrie ist nach Einschätzung des Branchenverbandes ZDB frühestens für kommendes Jahr in Sicht. Allein im März brachen die Neuaufträge im Baugewerbe um fast ein Fünftel ein.

Reuters BERLIN. "Das ist die grausame Wahrheit zur Lage der deutschen Bauwirtschaft", sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Arndt Frauenrath, am Mittwoch in Berlin mit Blick auf die Auftragszahlen. "Die Talsohle ist in diesem Jahr nicht in Sicht." Für 2003 erwartet der Verband ein Umsatzminus von 3,8 % und einen Rückgang der Bauinvestitionen von zwei Prozent zum Vorjahr.

Ähnlich pessimistisch äußersten sich Volkswirte. "Die Baukrise wird dieses Jahr noch nicht zu Ende gehen", sagte Harald Braun von der Bayerischen Landesbank. Die schwache Bauwirtschaft gilt als einer der Gründe für den Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 % im ersten Quartal.

Aufträge brechen im März um fast 20 % ein

Bauunternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten erhielten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im März preisbereinigt 19,5 % weniger Aufträge als vor einem Jahr. Der Hochbau verzeichnete sogar ein Minus von 28 %. In den ersten drei Monaten 2003 verbuchte die Branche damit fast 15 % weniger Aufträge als im Vorjahr, der Umsatz sank um fast 13 %.

Die Branche, die im vergangenen Jahr einen Rückgang der Bauinvestitionen und beim Umsatz im Bauhauptgewerbe jeweils von knapp sechs Prozent zu verkraften hatte, sieht noch keine Trendwende. "Wir können uns vorsichtig vorstellen, dass wir die Talsohle im Jahr 2004 erreichen", sagte Verbands-Chef Frauenrath. Er hoffe, dass der Konsolidierungsprozess bald abgeschlossen sei und die Branche dann wieder allmählich wachsen könne. Ob diese Erholung bereits im kommenden Jahr einsetzen werde oder erst 2005, hänge auch von Reformen der sozialen Sicherungssysteme zur Senkung der Lohnnebenkosten und einer Stärkung öffentlicher wie privater Investitionen ab.

Knappe Kassen verschärfen die Krise

Volkswirt Braun verwies darauf, dass zum Jahreswechsel zwar die Zahl der Baugenehmigungen im Wohnungsbau merklich gestiegen sei. Dies hänge allerdings mit der Diskussion um die Abschaffung der Eigenheimförderung zusammen, sagte er. "Da ist jetzt ein kleines Polster da, von dem aber noch nichts genommen und in Aufträge umgemünzt wird." Aus diesem Trend der Baugenehmigungen lässt sich Frauenrath zufolge nicht auf eine Erholung des Wohnungsneubaus schließen. Die Bundesregierung war zwar mit ihren Plänen zur Beschränkung der Eigenheimzulage im Bundesrat gescheitert, sowohl bei Regierung als auch Opposition wird aber eine Kürzung weiter diskutiert.

Andreas Scheuerle von der DekaBank sagte, besonders in der ostdeutschen Bauwirtschaft gebe es als Folge "ausufernder Subventionierung" zu Beginn der 90er Jahre noch Überkapazitäten. Verschärft werde dies nun durch die schwache Konjunktur und die knappen öffentlichen Kassen. "Bei den Bauinvestitionen wird in den Gemeinden und auch den Ländern schnell gekürzt", sagte er.

Der ZDB erwartet für 2003 einen Abbau der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe von etwa fünf Prozent. Braun zufolge stehen die Unternehmen weiter unter großem Druck zu rationalisieren. Die Zahl der Beschäftigten sank nach Angaben des Statistikamts bereits im ersten Quartal um über zehn Prozent im Jahresvergleich. Im März beschäftigte die Branche 778 000 Personen und damit 11,5 % weniger als im März 2002.

Die anhaltenden Schwäche im Bau lässt Volkswirte auch für die weitere gesamtwirtschaftliche Entwicklung nichts Gutes ahnen. "Selbst wenn wir gutes Wetter in den nächsten Monaten haben, bleibt das Grundübel der Strukturprobleme bestehen und die Bauinvestitionen werden weiter schrumpfen", sagte Scheuerle.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%