Dramatischer Einbruch der Haider-Partei in den Meinungsumfragen
FPÖ sucht neuen Vorsitzenden

Nach dem überraschenden Rückzieher des langjährigen Vorsitzenden Jörg Haider sind die Mitglieder der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) erneut auf der Suche nach einem neuen Parteichef.

HB WIEN. Am Montag trat das Parteipräsidium zu einer Krisensitzung zusammen, um über die Nachfolge der zurückgetretenen Parteichefin Susanne Riess-Passer zu entscheiden.

Am Wochenende hatte Haider völlig überraschend erklärt, beim FPÖ-Parteitag am kommenden Samstag doch nicht als Bundesparteivorsitzender zu kandidieren. Auch Riess-Passer und der Interims-Vorsitzende Herbert Scheibner stellten klar, für dieses Amt nicht zur Verfügung zu stehen. Beide waren von FPÖ-Spitzenfunktionären als mögliche Kandidaten genannt worden. Andere Namen wurden bisher nicht ins Spiel gebracht. Generalsekretär Karl Schweitzer sagte gestern lediglich, es gebe "mehrere Kandidaten" für diese Aufgabe.

Voraussichtlich am 24. November finden in Österreich Neuwahlen statt. Zunächst muss das Parlament aufgelöst werden. Laut Umfragen muss die FPÖ nach den innerparteilichen Turbulenzen der letzten Wochen mit schweren Verlusten rechnen. In der so genannten Sonntagsfrage geben die Meinungsforscher der FPÖ derzeit nur zwischen 14 und 17 %, berichteten mehrere Zeitungen. Bei den letzten Parlamentswahlen im Jahr 1999 war die FPÖ mit knapp 27 % noch zweitstärkste Kraft gewesen.

Die Sozialdemokraten (SPÖ) liegen nach diesen Angaben zwischen 36 und 39 % und dürfen damit rechnen, stärkste Fraktion im Nationalrat in Wien zu bleiben. Die konservative Volkspartei (ÖVP) von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat gegenüber den letzten Wahlen (26,9 %) zugelegt und liegt zwischen 31 und 33 %. Deutliche Gewinne werden den Grünen prognostiziert, die sich von 7,4 % auf 11 bis 14 % gesteigert haben.

Das Urteil der österreichischen Presse ist eindeutig. "Totales Chaos in krisengeschüttelter Partei", attestierte der FPÖ die "Kronenzeitung". Haiders "Rückzieher löst in Partei totale Verwirrung aus", analysierte der "Kurier".

Vordergründig geht es beim plötzlichen Gesinnungswandel Haiders um den Kauf von 18 modernen Abfangjägern vom Typ Eurofighter. Haider lehnt diese Milliarden-Investition kategorisch ab. Der scheidende Verteidigungsminister Herbert Scheibner, der bis zum Parteitag übergangsweise die Geschäfte als FPÖ-Chef führt, hält dagegen an dem Kauf fest - wenn auch die endgültige Entscheidung erst nach den Neuwahlen getroffen werden soll. Aus Protest gegen das Vorgehen Haiders gegen die eigene Regierungsmannschaft haben in den vergangenen Tagen zudem einige hundert Mitglieder ihr Parteibuch zurück gegeben.

Quelle: Handelsblatt

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