Drastischer Sparkurs
Siemens baut nochmals tausende Arbeitsplätze ab

Der Münchener Elektronikkonzern Siemens baut in einem weiteren Geschäftsbereich erneut tausende Arbeitsplätze ab. Der defizitäre Geschäftsbereich Industrielösungen (I&S) soll mit einem drastischen Sparkurs wieder profitabel werden.

Reuters MÜNCHEN. Der Geschäftsbereich streiche 2000 Stellen, davon zwei Drittel in Deutschland, teilte das Unternehmen am Mittwoch in München mit. Auf betriebsbedingte Kündigungen solle verzichtet werden. Weitere 5000 der insgesamt 30 000 I&S-Stellen würden an Partner ausgegliedert. Insgesamt wolle der Geschäftsbereich über 500 Millionen Euro einsparen, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen.

Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2001/2002 hatte der auf Dienstleistungen für Industrieanlagen spezialisierte Bereich einen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 37 Millionen Euro erlitten.

Siemens hatte erst im April bei seinem Hauptsorgenkind, der Netzwerksparte ICN, den Abbau weiterer 6500 Arbeitsplätze bekannt gegeben und will damit in diesem Bereich insgesamt 16.500 der ursprünglich 53 000 Stellen abbauen. In diesem und vergangenen Jahr hat Siemens den Abbau von mehr als 30 000 Arbeitsplätzen angekündigt, knapp sieben Prozent des weltweiten Personalbestands.

Industrielösungen rutschen in die Verlustzone

Der Siemens-Bereich I&S hatte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2001/2002 (zum 30. September) noch ein Ebit von zwei Millionen Euro erzielt, war drei Monate später aber nach Angaben des Unternehmens wegen struktureller Veränderungen und der Konjunkturschwäche in die roten Zahlen gerutscht. Wann der Geschäftsbereich wieder Gewinne macht, sei noch offen. "Wir haben heute den ersten Schritt gemacht", sagte eine Unternehmenssprecherin. Angepeilt werde nach der Neupositionierung ein Umsatz von rund vier Milliarden Euro. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000/01 hatte der Bereich I&S einen Umsatz von 4,56 Milliarden Euro erzielt.

"Ziel ist es, I&S zügig auf wesentliche Kompetenzen zu fokussieren und renditeschwache Engagements abzubauen", erklärte I&S-Chef Joergen Ole Haslestad. Die Entwicklung und Fertigung von Leiterplatten und Reparaturwerkstätten würden abgegeben. Künftig wolle sich I&S auf den Bau von Industrie- und Infrastrukturanlagen, technische Dienstleistungen sowie IT-Lösungen konzentrieren.

Anteil am Handyabsatz steigt

Bessere Nachrichten gab es für Siemens vom angespannten Handymarkt: Der Münchner Konzern konnte seinen Marktanteil in den ersten drei Monaten auf 8,8 (6,8) ausbauen, wie die Marktforscher von Gartner Dataquest ermittelten. In der Rangliste verdrängte das südkoreanische Unternehmen Samsung aber den bisherigen Branchendritten Siemens auf Platz vier. Marktführer blieb der finnische Hersteller Nokia vor dem US-Anbieter Motorola.

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