Drastischer Stellenabbau
Druckmaschinenbranche unter Druck

Auftragseinbruch und Stellenabbau - die Druckmaschinen-Branche steht unter Druck. Auf dem Werbe- und Anzeigenmarkt herrscht Flaute, die Weltkonjunktur lahmt, der Mut der Kunden zu neuen Technologien nimmt ab. Die Heidelberger Druckmaschinen AG hat nun am Mittwoch die Notbremse gezogen.

HB7dpa HEIDELBERG. Mit einem drastischen Stellenabbauprogramm will der weltweite Marktführer das Abrutschen in die roten Zahlen verhindern. Mit ihrem Sparpaket sind die Heidelberger nicht die ersten der Branche, die reagieren.

2200 Arbeitsplätze will der weltgrößte Druckmaschinenhersteller abbauen, davon 1800 in Deutschland und 400 weitere im Ausland. 200 Millionen Euro sollen auf diesem Weg langfristig eingespart werden. Mit dazu beitragen soll eine nicht unerhebliche Verlagerung der Produktion in die USA. Die Standorte Ludwigsburg und Mühlhausen (Kreis Göppingen) werden wegen massiver Unterauslastung zusammengelegt. Es ist der größte Stellenabbau des Unternehmens seit der Konjunkturkrise 1992. Noch gibt es rund 24 500 Beschäftigte weltweit. Nach der Ankündigung stieg der Kurs der im MDax notierten Aktie am Mittag leicht an.

Etwas verhoben haben sich die Heidelberger offenbar an ihrer neuen Digitaldrucktechnik. Zwei Jahre liegt der Maschinenbauer in diesem Bereich hinter den Erwartungen zurück, musste Vorstandschef Bernhard Schreier eingestehen. Es gebe noch keinen ausreichenden Markt für die neue Technologie, dazu komme die schwierige Situation sowohl in Deutschland und den USA als auch in Asien und Südamerika. "Keiner geht dann an etwas Neues heran, wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht", betonte Schreier.

Bereits im September hatte der Vorstandsvorsitzende das Sparpaket angekündigt. Grund war die Prognose, es werde einen Umsatzrückgang für das laufende Geschäftsjahr um zehn Prozent auf 4,5 Milliarden Euro geben. Im ersten Quartal hatte das Unternehmen einen Auftragsrückgang um 200 Millionen auf 1,1 Milliarden Euro hinnehmen müssen.

Damit befindet sich das Unternehmen in guter Gesellschaft. Auch der weltweit drittgrößte Druckmaschinenhersteller, Koenig & Bauer aus Würzburg, hat wegen sinkender Aufträge bereits Einsparungen beim Personal angekündigt. Im ersten Halbjahr gab es einen Auftragseinbruch, so dass der Wert der Bestellungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 25 Prozent auf 549,9 Millionen Euro zurückging. Koenig & Bauer schloss daraufhin Einsparungen bei den Beschäftigten nicht aus.

Von der Nummer zwei im internationalen Druckmaschinengeschäft, MAN Roland, kam die Nachricht, dass der Auftrageingang im ersten Halbjahr um 34 Prozent auf 773 Millionen Euro zurückging. Auf eine schwierige Durststrecke stellt sich daher auch der Vorstand von MAN Roland ein.

Heideldruck will am 6. November die Halbjahreszahlen bekannt geben und mehr Details über den Sparplan verraten. Für das gesamte Geschäftsjahr geht Vorstandschef Schreier noch immer von einem positiven Ergebnis aus. Das Renditeziel liegt seinen Angaben zufolge langfristig bei zehn Prozent vor Steuern. Im Geschäftsjahr 2003/04 sollen die Schritte zur Kostensenkung umgesetzt werden und greifen. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen laufen, betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen. Dass das Sparkonzept greift, davon ist Schreier überzeugt: "Wir machen kein Harakiri bei unserem Vorhaben."

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