Drastisches Sparprogramm
Heidelberger Druck will in der Gewinnzone bleiben

Mit einem drastischen Sparprogramm will sich der weltgrößte Druckmaschinenbauer Heidelberger Druck trotz eines Umsatz- und Gewinnrückgangs in den ersten sechs Monaten im gesamten Geschäftsjahr 2002/03 in der Gewinnzone halten.

Reuters HEIDELBERG. "Die ersten zwei Quartale werden - wie erwartet - unter dem Vorjahresniveau liegen", sagte Vorstandschef Bernhard Schreier am Montag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Konjunkturerholung sei für Heidelberger Druck noch nicht absehbar. Dennoch rechnet Schreier dank erster Effekte eines Anfang September aufgelegten Kostensenkungsprogramms in dem am 31. März 2003 endenden Geschäftsjahr mit schwarzen Zahlen: "Wir werden den Gewinn im guten positiven Bereich halten", sagte er. Mit dem Kauf der schwedischen IDAB WAMAC baut Heidelberg sein Geschäft mit dem Versand und der Weiterverarbeitung gedruckter Zeitungen aus.

2001/02 (Ende März) hatte Heidelberger Druck nach Steuern 201 Millionen Euro verdient, davon 62 Millionen Euro in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres. Der Umsatz hatte in den ersten sechs Monaten bei 2,3 Milliarden Euro gelegen. Für das Geschäftsjahr 2002/03 rechnet das Unternehmen allerdings mit einem Umsatzrückgang von zehn Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Eine genauere Ergebnisprognose will Heidelberger Druck Anfang November vorlegen. Dann sollen auch die einzelnen Maßnahmen des angekündigten Kostensenkungsprogramms bekannt gegeben werden.

Das Sparprogramm werde seine volle Wirkung von 200 Millionen Euro erst im kommenden Geschäftsjahr entfalten, sagte Schreier. Über konkrete Maßnahmen werde allerdings noch - unter anderem mit dem Betriebsrat - beraten. "Wir wissen, dass diese Maßnahmen drastisch sein müssen", betonte er. Dazu stünden alle Bereiche und Standorte auf dem Prüfstand. Zu Personalkürzungen wollte er sich nicht äußern. Bisher hatte Schreier betont, Entlassungen seien nicht auf der Tagesordnung.

Unterdessen hat Heidelberger Druck seine in den vergangenen beiden Jahren aufgebaute Zeitungsdruck-Sparte ergänzt. Rückwirkend zum 1. September sei IDAB WAMAC übernommen worden, der drittgrößte europäische Entwickler und Hersteller von Versandraum-Anlagen für den Zeitungsdruck. Mit den Maschinen können den Zeitungen automatisch etwa Prospekte für Teilauflagen beigelegt werden. Über den Kaufpreis sei mit dem bisherigen privaten Eigentümer Stillschweigen vereinbart worden. Idab Wamac habe 2001 mit 120 Mitarbeitern 35 Millionen Euro Umsatz erzielt. Das Unternehmen sei profitabel und werde noch 2002/03 einen Gewinn beisteuern.

Der Bereich der Weiterverarbeitung ("Finishing") habe dem Konzern in Europa noch gefehlt, sagte Vorstandschef Schreier. Idab Wamac sei hier technologisch führend. Schreier rechnet in diesem Bereich mit zweistelligen Wachstumsraten. Zusammen mit einer US-Tochter komme Heidelberger Druck in dem 500-Millionen-Euro-Markt auf zwölf Prozent Anteil.

Auch für die anderen Sparten, Digitaldruck und Bogenoffset, sucht Heidelberger Druck Schreier zufolge Technologie-Anbieter für die Weiterverarbeitung. "Wir sind in Gesprächen. Es ist durchaus möglich, dass sich im diesem Kalenderjahr noch was tut. Aber das sind kleinere Anbieter", sagte der Vorstandschef. Zuletzt erzielte Heidelberger Druck 380 Millionen Euro Umsatz in der Druckweiterverarbeitungs-Sparte, will diesen in den nächsten Jahren aber deutlich steigern.

Die im Nebenwerteindex MDax notierte Heidelberg-Aktie hielt sich am Montag gegen den Markttrend in den Gewinnzone. Bis zum Mittag legte sie 1,4 Prozent auf 24,80 Euro zu. Großaktionär RWE hatte zuletzt den bis Ende 2003 terminierten Verkauf seines 50-Prozent-Pakets verschoben.

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