Draufgänger im Fernsehen und im wahren Leben
Klaus Löwitsch im Porträt

In seiner Rolle als Privatdetektiv "Peter Strohm" liebte er schöne Frauen, schätzte schnelle Autos und ließ die Fäuste fliegen. Klaus Löwitsch genoss auch das Leben außerhalb des Scheinwerferlichts in vollen Zügen. Ihm wurden viele Affären nachgesagt - Alkoholexzesse begleiteten regelmäßig seinen beruflichen Werdegang.

HB/dpa HAMBURG. Doch sein Ruf als einer der größten deutschen Charakterdarsteller in Fernsehen, Film und auf der Bühne stand nie in Frage. Am Dienstagmorgen ist Löwitsch in der Münchner Schreiber- Klinik im Alter von 66 Jahren gestorben.

Noch vor anderthalb Jahren bei seinem 65. Geburtstag schien er von seiner heimtückischen Krankheit - dem Bauchspeicheldrüsenkrebs - nichts zu ahnen. Damals steckte er noch voller Pläne. "Zum Geburtstag schenke ich mir einen Porsche Carrera vier", erzählte er. Danach stand Löwitsch für die deutsch-amerikanische Koproduktion "The Extremists" in Österreich vor der Kamera, in der er einen serbischen Diktator auf der Flucht spielte. Im Februar dieses Jahres kam der Film "Was tun, wenn's brennt" mit Löwitsch und Til Schweiger in die Kinos. Darin jagt Löwitsch als alternder Polizeikommissar autonome Bombenleger.

Action war eine Vorliebe des "deutschen James Bond". Sieben Jahre lang jagte Löwitsch als "Peter Strohm" im Fernsehen Kriminelle, bis er 1996 endgültig ausstieg, weil er die ARD-Serie "zu oberflächlich" fand. Im Fernsehen drehte er fast ausschließlich für die öffentlich- rechtlichen Kanäle. Mit einer Ausnahme: 1993 trat er für RTL in Südafrika als "Zorc - Mann ohne Grenzen" vor die Kamera. Immer wieder machte er jedoch mit seinen Ausschweifungen von sich reden: Im Jahr 2001 noch wurde er zu 27 000 DM Geldstrafe verurteilt, weil er nach einem Kneipengang eine Frau geschlagen und sexuell genötigt haben soll.

Der am 8. April 1936 in Berlin geborene und an der Wiener Akademie für Musik und darstellende Kunst ausgebildete Tänzer machte sich zunächst mit Literaturverfilmungen wie Horvaths "Italienische Nacht" sowie Kafkas "Amerika oder der Verschollene" einen Namen. 1998 erhielt Löwitsch für seine Darstellung in dem Gerichtsdrama "Das Urteil" an der Seite des Schauspieler-Kollegen Matthias Habich den Adolf-Grimme-Preis. Im gleichen Jahr nahm er den Bayerischen Fernsehpreis für hervorragende künstlerische Leistungen entgegen.

Der Schauspieler mit der rauen Stimme hatte seinem Freund und Förderer Rainer Werner Fassbinder viel zu verdanken. Löwitsch, der nach Alkoholproblemen und zweitklassigen Filmen in einer persönlichen und beruflichen Krise steckte, lernte den Regisseur Anfang der 70er Jahre kennen. Fassbinder erkannte, dass Löwitsch mehr bieten konnte als nur "den Bösewicht vom Dienst" und begann, seinen Freund zu fördern. Filme wie "Der Händler der vier Jahreszeiten", "Welt am Draht" oder "Die Ehe der Maria Braun" waren das Ergebnis dieser Zusammenarbeit - 300 Film- und Fernsehrollen bekleidete er.

Zuletzt war der passionierte Skifahrer mit Wohnsitzen in München und Tirol nach Angaben seiner Frau Helga gegenüber der "Bild"-Zeitung von 83 auf 65 Kilo abgemagert. "Mein Mann ist friedlich eingeschlafen. Er konnte die letzten drei Tage kaum noch sprechen", sagte sie.

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