Drechsler verschenkt ihre Spikes
Viele Tränen statt olympischer Ehren

Nach ihrem verletzungsbedingten Ausfall bei den Leichtathletik-Meisterschaft in Braunschweig zeigte Heike Drechsler viele Emotionen. Doch dass sie den Absprung verpasst habe, lässt sie nicht gelten. Lieber will sie in einigen Wettkämpfen noch einmal in die Sandgrube springen.

HB Braunschweig. Der Absprung steht längst fest, doch Heike Drechsler kann kaum loslassen von ihrem Sport. "Es fällt mir schwer, vom Abschied zu sprechen. Ich bin schlecht vorbereitet", sagte die zweimalige Weitsprung-Olympiasiegerin nach ihrem kurzen Auftritt am Sonntagabend bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Braunschweig. Sie biss sich auf die Lippen und meinte: "Ich weine immer im Stillen." Der bewegende Abschied, den das Publikum der erfolgreichsten deutschen Leichtathletin bereitete, ging ihr sichtlich an die Nieren.

Die Kritik, dass sie jetzt mit 39 Jahren zu spät aufhöre, kann Heike Drechsler nicht mehr hören. "Begraben lasse ich mich nicht in der Grube", entgegnete sie. Beim Publikum genießt die zweimalige Welt- und viermalige Europameisterin immer noch größte Popularität. Als Heike Drechsler vor dem Wettkampf vorgestellt wurde, erhoben sich die Zuschauer von ihren Plätzen und klatschten ehrfurchtsvoll. Da stiegen der erfolgreichsten deutschen Leichtathletin schon die Tränen in die Augen und sie rannte wie wild zum Aufwärmen, als könne sie der Zukunft davonlaufen.

"Das war Gänsehaut pur. Da kamen sehr viele Emotionen hoch", sagte Heike Drechsler später. Bereits nach dem ersten Sprung war alles vorbei. Nur 6,21 m und eine Oberschenkelzerrung. "Das ist schon sehr, sehr traurig für mich, dass es hier so endet." Der Star zog seine Turnschuhe an und verschwand durch einen Nebenausgang, um sich behandeln zu lassen. Später kehrte Heike Drechsler zurück, bedankte sich bei den Zuschauern und verschenkte ihr Spikes. Sie lasse sich ihr spätes Karriereende nicht schlecht reden, betonte sie: "Ich habe den Absprung nicht verpasst."

Ihre letzte Saison, in der sie mit einer bisherigen Bestleistung von 6,39 m deutlich an der Qualifikationsweite für Athen (6,70) scheiterte, bewertete sie jedoch selbstkritisch: "Olympia ist weit weg von dem, was ich gebracht habe." Zu Hause in Karlsruhe, wo Heike Drechsler mit ihrem 14-jährigen Sohn Toni und ihrem französischen Lebensgefährten Alain Blondel lebt, hat sie nicht nur eine ordentlich Sammlung von Sandproben aus diversen Weitsprunggruben dieser Welt, sondern natürlich auch noch ein paar Sportschuhe. "Das ist noch nicht das Ende von allem", betonte sie.

Ein paar Meetings will Heike Drechsler noch bestreiten, im September gebe es doch noch ein paar schöne Wettkämpfe. Wo sie ihre endgültige Abschiedsvorstellung gibt, steht noch nicht fest. Im Gespräch ist das ISTAF in Berlin (12. September) oder eine Extraveranstaltung in Karlsruhe oder in ihrer Heimatstadt Gera.

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