Drehkreuz des internationalen Devisenhandels
London wartet gespannt auf Wechsel zum Euro

Die britische Hauptstadt ist die wichtigste Drehscheibe für den internationalen Devisenhandel. Sollten bei der Einführung des Euro-Bargelds logistische Probleme auftreten, dürfte das die neue Währung negativ beeinflussen. Die Märkte beobachten zudem vor allem den Yen mit Sorge.

fs LONDON. Die Einführung des Euro-Bargelds in wenigen Tagen dürfte sich auf die internationalen Devisenmärkte vor allem dann auswirken, wenn sie nicht reibungslos über die Bühne gehen sollte. "Logistische Probleme hätten eine sehr schlechte Wirkung in der Öffentlichkeit. Das würde auch den Wechselkurs gegenüber dem Dollar vermindern", sagt etwa Neil MacKinnon, Währungsstratege der US-Investment-Bank Merrill Lynch in London.

Die britische Hauptstadt ist das Drehkreuz des internationalen Devisenhandels. Nach jüngsten Erhebungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich liegt der Handel auf der Insel mit einem Anteil von mehr als 30 % am Marktvolumen weltweit einsam an der Spitze. Im Kassa- und Termingeschäft werden täglich Devisen im Wert von 504 Mrd. $ umgesetzt.

Nach dem jetzigen Stand der Dinge gehen die Experten allerdings nicht davon aus, dass Pannen drohen. Der Euro hat sich in den vergangenen Jahren im Londoner Handel fest etabliert. Zwar dominieren mit 92 % des Handelsvolumens noch immer Dollar-Transaktionen. Der Euro kommt jedoch mit 41 % an zweiter Stelle. Erst danach folgen Pfund Sterling (24 %) und Yen (17 %).

Der Euro könnte aus Sicht der Analysten Anfang nächsten Jahres noch aus einem anderen Grund Schwäche zeigen: Sollten einige Firmen die anfängliche Unsicherheit des Umtauschverhältnisses zu versteckten Preiserhöhungen nutzen und damit die Inflationsrate anheben, dürfte dies die Europäische Zentralbank in ihrer ohnehin geringeren Bereitschaft zu Zinssenkungen bekräftigen. Der Euro würde gegenüber dem Dollar weiter geschwächt. Schon nach den jüngsten negativen Äußerungen Wim Duisenbergs, des Chefs der Europäischen Zentralbank, zu möglichen Zinssenkungen musste die Gemeinschaftswährung einen leichten Dämpfer hinnehmen.

Die Investment-Bank JP Morgan sieht die Ankunft des Euros in einem positiven Licht. Die Analysten dort glauben, dass der Euro im Frühjahr nächsten Jahres gegenüber dem Dollar die Parität erreichen kann. Zum einen könne die US-Notenbank Fed das Tempo ihrer Zinssenkungen nicht beibehalten (in diesem Jahr fielen die Fed Fund Rates von 6 auf 1,75 %). Zum zweiten werde sich die Wirtschaft längst nicht so weit erholen, wie dies die Beobachter derzeit hofften.

Der Markt hat sich nach Ansicht der Beobachter seit den Angriffen des 11. September bemerkenswert gut gehalten. Wie in anderen Bereichen des Finanzwesens auch habe es zu Beginn eine Flucht in Richtung Sicherheit gegeben, vor allem in den Schweizer Franken. Das habe sich mittlerweile jedoch wieder gelegt, sagt.

Bemerkenswert stark zeigt sich noch immer das britische Pfund. Nach einem zwischenzeitlichen Anstieg ist der Kurs des Euros wieder auf 62 Cents gefallen. Das liegt zum einen an der besseren wirtschaftlichen Verfassung verglichen mit anderen Volkswirtschaften in Europa, vor allem verglichen mit der deutschen. Die Zukunft des Pfunds wird nach Ansicht von allerdings mehr von politischen als von wirtschaftlichen Faktoren geprägt. "Wenn die Briten ein frühes Referendum angehen, gilt das als Signal für ein schwächeres Pfund", sagt er. Als Grund sieht er den politischen Druck, zuhause der heimischen Exportwirtschaft eher einen schlechteren Wechselkurs gegenüber dem Euro festzulegen. Derzeit sieht er das Einstiegsniveau in die europäische Gemeinschaftswährung bei rund 65 britischen Cents je Euro.

Für den Yen allerdings erwarten die Experten der Banken im nächsten Jahr eher (noch) schlechtere Nachrichten. So geht man bei der Schweizer Investment-Bank CSFB von einem "großen Risiko" aus, dass der Wert je Dollar (derzeit rund 127 Yen) sogar noch auf 150 bis 160 und darunter fallen könnte.

Die nahezu hoffnungslose ökonomische Situation (Deflation bei Nullzinspolitik) in Japan könnte eine massive Abwertung in China und im restlichen Asien auslösen. Dies wiederum könnte eine deflationäre Schockwelle rund um die ganze Welt senden.

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