Drei Anbieter teilen sich den Markt für Handydienste
Trotz Pannen wächst der Mobilfunk weiter

Es war 10:08 Uhr, als am 28. August nach und nach immer mehr Handys im Zentrum von Tallinn verstummten. Softwareprobleme in einer zentralen Basisstation des größten Mobilfunknetzbetreibers in Estland, EMT, verursachten einen folgenschweren Systemabsturz. Die Überlastung anderer Stationen zog im ganzen Land eine Kettenreaktion nach sich, in deren Folge es einem Großteil der insgesamt rund 460 000 EMT-Kunden mehrere Stunden lang unmöglich war, per Handy zu kommunizieren.

TALLINN. Nach fünf Jahren nahezu störungsfreien Agierens erlebte Estlands Mobilfunk-Gemeinde somit innerhalb kürzester Zeit bereits den zweiten Zwischenfall dieser Art. Der letzte "black-out" bei EMT mit ähnlichen Folgen von Mitte Juli dürfte den meisten Nutzern zu diesem Zeitpunkt noch "bestens" in Erinnerung gewesen sein. Dem nahezu bedingungslosen Glauben an die Unfehlbarkeit technischer Errungenschaften, der in Estland als besonders stark verbreitet gilt, dürfte nach Ansicht einer Reihe estnischer Zeitungskommentatoren somit ein spürbarer Dämpfer versetzt worden sein.

Doch der Vorstandsvorsitzende von EMT, Peep Aaviksoo, lässt sich durch derartige Vorfälle nicht beirren. Dass die beiden Netzausfälle nachhaltige Auswirkungen auf den weiteren Siegeszug des Handys als wichtigstem Kommunikationsmittel in Estland haben könnten, hält Aaviksoo für unwahrscheinlich. Vielmehr rechnet der EMT-Chef damit, dass die Ausbreitung des Mobilfunks ungehemmt voranschreiten wird. Schenkt man aktuellen Prognosen Glauben, so dürften bis Ende 2005 nahezu 90 % aller Esten aktive Nutzer eines oder sogar mehrerer Handys werden. Mitte 2003 erzielten die drei Netzbetreiber im Land - neben EMT noch Radiolinja und Tele2 - bei Mobilfunkgeräten einen Versorgungsgrad von gut 63 %. Im Vergleich der drei baltischen Republiken ließ Estland somit Litauen (44 %) und Lettland (41 %) deutlich hinter sich.

Eine Vorreiterrolle im panbaltischen Kontext könnte Estland demnächst wohl auch beim Aufspannen von Netzen der dritten Mobilfunk- Generation spielen. Jedenfalls steht dem nach der Vergabe von UMTS-Lizenzen zum Festpreis von 70 Mio. ekr (4,5 Mill. Euro) an die drei genannten Unternehmen seit dem Sommer 2003 kaum noch etwas im Wege. Dass die Entwicklung des Mobilfunks in Estland in diese Richtung gehen wird, hat EMT jüngst schon einmal vorgeführt. Wohl auch als eine Art von "Trotzreaktion" auf die beiden Netzausfälle nahm das Unternehmen Mitte September 2003 ein Versuchsnetz mit dem neuartigen Standard in Betrieb. Wirtschaftsminister Meelis Atonen war es vorbehalten, das landesweit erste Telefonat mit der neuen Technik zu führen.

Der normale Bürger wird sich hingegen noch einige Zeit gedulden müssen, um die Vorzüge von UMTS kennen zu lernen. Experten rechnen damit, dass die Mobilfunkunternehmen in Estland erst 2005 diese Dienste breitenwirksam anbieten können. Den Investitionsbedarf dafür setzt EMT bei etwa 2,5 Mrd. ekr (160 Mill. Euro) an. Bis zuletzt blieb jedoch unklar, ob das Unternehmen bereit ist, diese finanzielle Last allein zu schultern oder diesbezüglich eine Kooperation bevorzugt.

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