Drei bewährte Erfolgskriterien
Passende Strategien entscheiden über den Erfolg der Anlage

Der Befund ist ebenso eindeutig wie ernüchternd. In den letzten zwei Jahren haben viele Aktienfondsanleger weltweit hohe Kursverluste hinnehmen müssen. Und dennoch sind die Deutschen auch in diesen bewegten Aktienjahren den Fondsprodukten treu geblieben: Inzwischen setzen 8,9 Millionen Sparer bei der Aktienanlage auf Investmentfonds. Dagegen investieren nur 4,7 Millionen in Einzelaktien (DAI, Juli 2002).

Die Idee des Investmentsparens, die schon im 19. Jahrhundert im Britischen Empire ihre ersten Anhänger fand, hat sich also auch hierzulande in schweren Zeiten bewährt. Das raue Börsenklima der letzten Jahre kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die aktienorientierte Geldanlage unverändert attraktiv bleibt. Untersuchungen der Humboldt Universität in Berlin im Auftrag von Union Investment haben ergeben, dass mit deutschen Aktien seit der Währungsreform durchschnittlich gut 12 Prozent pro Jahr zu verdienen waren - und das trotz der zuletzt starken Kursverluste an den weltweiten Aktienmärkten.

Zwar können die Wertentwicklungen der Vergangenheit nicht einfach in die Zukunft fortgeschrieben werden, zeigen aber durchaus die überdurchschnittlichen Renditechancen von Aktien. Das mag viele Anleger angesichts der aktuellen Verluste zunächst wenig trösten, ist aber wissenschaftlich belegt und nicht zu leugnen. Wer also für seine Geldanlage langfristig gute Renditen erzielen will, hat keine Alternative zur Aktie.

Auch wenn Aktienfonds immer beliebter werden, sind gerade vorsichtige Sparer noch zurückhaltend. Zu Recht, denn Aktien sind anders: kein fester Ertrag, keine feste Laufzeit und nicht zuletzt die schwer kalkulierbaren Kursschwankungen. Der Anleger hat zwar höhere Renditechancen, nimmt dafür aber höhere Risiken in Kauf. Deshalb sollten Einsteiger einige Grundregeln beherzigen. Denn erst die richtige Strategie macht aus der Aktie eine langfristig erfolgreiche Anlage. Aktien sind nicht geeignet, um mit kurzfristigen Spekulationen schnell Geld zu verdienen, sind aber eine viel versprechende Grundlage für langfristiges Sparen.

Die erste Frage, die jeder Anleger individuell für sich beantworten muss, ist, wie hoch überhaupt der Anteil an Aktien und Aktienfonds am gesamten Vermögen sein sollte. Hierbei gilt die Regel: Je jünger die Anleger, desto höher kann der Aktienanteil ausfallen. Denn langfristig, das haben die genannten Untersuchungen von Professor Richard Stehle von der Humboldt Universität in Berlin gezeigt, sind mit Aktien gute Renditen zu erzielen. Geduldige Anleger, die über zwischenzeitliche Kursrückschläge hinweg sehen konnten, fuhren demnach mit Aktien am besten. Eine einfache Faustformel führt zur empfehlenswerten Aktienquote: Wer von der Zahl 100 sein Lebensalter abzieht, erhält seinen individuellen Wert. Zum Beispiel: Mit 30 kann man bis zu 70 Prozent seines Kapitals in Aktien und Aktienfonds investieren. Dagegen sollte man mit 65 den Anteil auf rund ein Drittel reduzieren.

Wird das eingesetztes Kapital bald benötigt, sollte demnach der Aktienanteil verringert werden. Da es aber nahezu unmöglich ist, den optimalen Zeitpunkt für die Umschichtung in festverzinsliche Wertpapiere oder Rentenfonds zu finden, empfiehlt sich, den Aktienanteil schrittweise abzubauen. So ist der Anleger beim Tausch nicht von kurzfristigen Börsenlaunen abhängig und kann sukzessive seine Aktiengewinne sichern.

Wer in Aktien investiert, sollte eines immer berücksichtigen: Nie alles auf eine Karte setzen. Mischen und Streuen lautet das Motto, das jeder Vermögensanlage zu Grunde liegen sollte. Ein gut strukturiertes Portfolio enthält Aktien verschiedener Länder und Branchen, um das Risiko starker Kursveränderungen insgesamt gering zu halten. Denn während die Renditen innerhalb der einzelnen Länder und Branchen stark nach oben und unten schwanken, bleibt die Schwankungsbreite länder- und branchenübergreifend relativ gering. Ein breit gestreutes Aktienengagement kann aber Verluste in einzelnen Sektoren durch anderweitige Gewinne auffangen und ist für den langfristigen Anlageerfolg unabdingbar.

Da es für den Einzelnen sehr schwierig ist, sich ein detailliertes Bild über die weltweiten Aktienmärkte zu machen, ist ein global oder europaweit streuender Aktienfonds ein geeignetes Basisinstrument zur Vermögensanlage. Der Anleger hat so die Gewissheit, richtig investiert zu haben, da sich professionelle Fondsmanager um die Zusammensetzung seiner Fondsanlage kümmern. So analysiert beispielsweise das Fondsmanagement bei Union Investment jede für den Fonds erworbene Aktie und überzeugt sich sorgfältig von der Qualität der einzelnen Unternehmen.

Nun bleibt noch die Frage, wie man den richtigen Zeitpunkt findet, um sein Geld bei günstigen Aktienkursen zu investieren. Leider ist der ideale Kauf- oder Verkaufszeitpunkt immer erst im Nachhinein zu erkennen und auch die findigsten Analysten können nicht genau vorhersagen, wann die Aktienkurse nach oben oder unten drehen.

Passende Strategien für Anleger

Daher empfiehlt sich der Einstieg in Raten: Regelmäßige, beispielsweise monatliche Einzahlungen über mehrere Jahre ermöglichen es dem Anleger, je nach Börsenlage mal zu höheren und mal zu niedrigeren Kursen einzusteigen. Bei gleichbleibender Rate erzielt er damit einen guten Effekt, auch "costaveraging" genannt: Da er in schwachen Phasen mehr Anteile für den gleichen Preis kaufen kann, reduziert er seinen durchschnittlichen Kaufkurs und optimiert seinen Einstieg.

Wer aber regelmäßig investieren will, ohne sich vor jeder Kaufentscheidung einen zeitaufwendigen Überblick über in Frage kommende Aktien zu verschaffen, ist mit Aktienfonds bestens bedient. Bereits 8,9 Millionen Aktienfondsanleger nutzen die Vorteile der Investmentidee: Viele verschiedene Sparer zahlen ihr Geld in einen Spartopf, der eine größere Summen, der andere monatliche Raten. So sammelt ein Investmentfonds in relativ kurzer Zeit einige Millionen Euro, die der Fondsmanager dann - der Fondsstrategie entsprechend - breit gestreut in Aktien verschiedener Länder und/oder Branchen investiert. Die große Anzahl unterschiedlichster Werte glättet die negativen oder positiven Kursausschläge einzelner Aktien, das Verlustrisiko im Fonds wird wesentlich geringer. Der Aktienfonds kann sich jedoch nicht der allgemeinen Börsenentwicklung entziehen: Geben die Aktienkurse auf breiter Front nach, so verliert auch der Fonds und umgekehrt. Aber je breiter der Fondsmanager anlegt, umso weniger fallen extreme Kursverluste einzelner Werte ins Gewicht. Zwar hatten die zahlreichen Aktienfondsanleger in den vergangenen Monaten nur wenig Freude an der Entwicklung ihrer Fonds, viele waren am Ende aber froh, sich nicht für einzelne Aktien entschieden zu haben.

Thomas Meier, Aktienfondsmanager mit dem Schwerpunkt Globale Anlagen, Union Investment, Frankfurt/M.

Quelle: Handelsblatt

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