Drei Bieter in engerer Auswahl
Kirch Media: Wer bietet mehr?

Der Bieterwettbewerb um Kirch Media entwickelt sich zu einem spannenden Thriller. Die Konstellationen wechseln ständig. Nun gibt es wieder eine neue Wendung.

Reuters MÜNCHEN. Im Bieterwettbewerb um die insolvente Kirch Media sind nach den Angaben des zum Verkauf stehenden Unternehmens wie erwartet drei Konsortien in die engere Auswahl gekommen.

"Nach heutigem Stand werden mit drei Konsortien weitere Verhandlungen geführt", sagte ein Kirch-Media-Sprecher am Freitag. Das sei allerdings keine abschließende Auswahl. Denn bei einer Aufbesserung der Angebote könnten Verhandlungen auch mit den Bietern wieder aufgenommen werden, die vorläufig nicht in die engere Wahl gekommen seien. Namen nannte der Sprecher nicht.

Unklar blieb, ob der Ausschuss der Kirch-Media-Gläubiger dieser Auswahl zugestimmt hat. Da es keine endgültige Auswahl sei und für andere Bieter eine Hintertür offen bleibe, müsse das Gremium zu diesem Zeitpunkt keine Entscheidung treffen, hieß es in Kirch Media nahen Kreisen. In Gläubigerkreisen verlautete aber, die Mitglieder seien aufgefordert worden, zu den Angeboten Stellung zu nehmen.

Drei Bieter in engerer Auswahl

Nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen haben es das Konsortium von Commerzbank und dem US-Studio Columbia, das Team des US-Milliardärs Haim Saban und der französischen Senderfamilie TF1 sowie eine Gruppe früherer Gesellschafter von Kirch Media, der italienische Konzern Mediaset, die Investmentbank Lehman und der saudische Prinz Al Waleed in die engere Auswahl geschafft.

Dagegen seien der US-Konzern Viacom und ein Konsortium aus den Verlagen Springer und Bauer zusammen mit der HypoVereinsbank zunächst ausgeschieden.

Springer/Bauer bekommen offenbar noch eine Chance

"Das ist keine endgültige Auswahl", hieß es dazu in KirchMedia nahen Kreisen. Man habe einigen Bietern aber mitgeteilt, dass es zum jetztigen Zeitpunkt keinen Sinn mache, Verhandlungen fortzuführen. Die anderen hätten die Chance, ihre Angebote noch einmal zu überdenken und aufzubessern. Die drei ausgewählten Bietergruppen sollen nun Zugang zu detailliertem Zahlenmaterial der insolventen Rechtehandels- und TV-Gesellschaft bekommen. Bis Ende August/Anfang September soll nach den Plänen der Kirch-Media-Geschäftsführung der endgültige Investor feststehen

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Das Springer/Bauer-Konsortium hatte nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen mit 1,4 Milliarden Euro eines der niedrigsten Angebote vorgelegt und außerdem nicht - wie von Kirch-Media verlangt - für den gesamten Konzern geboten, sondern den Sportrechtehandel außenvorgelassen. Die Aufforderung von Kirch Media, das Angebot zu erhöhen, hat die Gruppe bisher abgelehnt. Das höchste Angebot hatte nach Angaben aus Kreisen der geborene Israeli Saban mit 2,6 Milliarden Euro vorgelegt, der sich später mit TF1 zu einem Team zusammenschloss, um sich für die zweite Runde zu qualifizieren.

Unklarheiten über die Rolle des Gläubigerausschusses

Unklar blieb, ob der Gläubigerausschuss der vorläufigen Eingrenzung der Bieterliste zugestimmt hat. Dem Gremium der wichtigsten Gläubiger, zu denen auch die Commerzbank, die Hypo-Vereinsbank (HVB) und die BayernLB sowie die US-Studios Columbia und Disney gehören, seien am Freitag lediglich Informationen zugegangen, hieß es in Kirch Media nahen Kreisen. Eine Entscheidung habe nicht getroffen werden müssen, weil es keine endgültige Auswahl gebe. Aus Gläubigerkreisen hieß es, für Freitag sei eigentlich schon eine schriftliche Abstimmung über die Auswahl geplant gewesen. Es sei sogar daran gedacht worden, in der nächsten Woche noch eine außerordentliche Sitzung des Gremiums einzuberufen.

Kirch Media ist der größte Filmrechtehändler Deutschlands und der größte Sportrechtehändler Europas. Als wertvollster Teil gilt aber die Mehrheit an der profitablen Sendergruppe ProSiebenSat.1, die wegen der Krise auf dem Werbemarkt aber einen Gewinneinbruch von 70 Prozent für das erste Halbjahr bekannt gab.

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