Drei Bieter wollen Kernbereiche der Münchner Mediengruppe übernehmen
Lösung für angeschlagene Kirch Media in Sicht

Für Leo Kirchs Kerngesellschaft Kirch Media zeichnet sich eine überraschend schnelle Lösung ab: Eine Investorengruppe aus WAZ, der Sony-Tochter Columbia und der Commerzbank wollen den Rechtehandel und die TV-Senderbeteiligungen kaufen. Der Plan kommt kurz vor der erwarteten Eröffnung der Insolvenz.

cbu/mm/rob MÜNCHEN/FRANKFURT/M. In den kommenden Tagen werden die Weichen für die Zukunft von Kirch Media gestellt. Für die wichtigsten Bereiche des Medienunternehmen liegt ein erfolgversprechendes Angebot auf dem Tisch. Ein hochkarätiges Bieterkonsortium will nach Handelsblatt-Informationen etwa 2 Mrd. Euro für die Film- und Sportrechte sowie für die Mehrheit an der Pro Sieben Sat 1 Media AG bieten.

Das Konsortium besteht aus dem Essener Medienkonzern WAZ, dem US-Filmproduzenten Columbia Tristar, einer Tochtergesellschaft des japanischen Sony-Konzerns, und der Commerzbank und hat damit enge Bindungen an Kirch Media. Denn im Gläubiger-Ausschuss des Untertnehmens, das Anfang April ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragte, sitzen Commerzbank-Vorstand Wolfgang Hartmann sowie ein Columbia-Vertreter. Die Commerzbank ist eine der Hauptgläubiger von Kirch Media, mit Columbia hatte Kirch bereits intensive Geschäftsbeziehungen. Die WAZ gilt schon länger als stark interessiert an einem Einstieg vor allem ins TV-Geschäft. Die Investmentbank UBS Warburg steuert die Suche nach Investoren.

Ein Preis von 2 Mrd. Euro entspräche in etwa der Verschuldung von Kirch Media.1,4 Mrd. Euro würden demnach an die Gläubigerbanken fließen, 0,5 Mrd. Euro an mehrere Hollywoodstudios, denen Kirch ebenfalls Geld schuldet, die restlichen 100 Mill. Euro gingen an sonstige Kreditgeber. Knackpunkt bei der Festsetzung des Übernahmepreises ist die Frage, wie viel die Filmbibliothek von Kirch Media wirklich wert ist. Der Filmrechtehandel ist die Kernzelle des Medienimperiums, das Leo Kirch geschaffen hat.

Kirch Media verfügt über insgesamt 63 000 Stunden Programm. Davon entfallen etwa 40 000 Stunden auf TV-Serien, 20 000 Stunden auf Spielfilme und knapp 3 000 Stunden auf Fernsehfilme. Hier werde derzeit "ein völlig neuer Wertansatz" erarbeitet, heißt es in Branchenkreisen. Denn das Geschäft im dem Lizenzhandel, das zuletzt über 1 Mrd. Euro im Jahr ausmachte, liegt offenbar weitgehend brach. In der letzten verfügbaren Bilanz stehen die Rechte noch mit etwa 3 Mrd. Euro. Da die 52 % an Pro Sieben Sat 1, die bei Kirch Media liegen, etwa 500 Mill. Euro wert sind, bewertet das Angebot der Investorengruppe die gesamte Filmbibliothek nun mit etwa 1,5 Mrd. Euro.

Die Zeit für eine Lösung für Kirch Media drängt: Denn der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé und die beiden Sanierer Wolfgang van Betteray und Hans-Joachim Ziems müssen bis zur bald erwarteten Eröffnung des Insolvenzverfahrens Klarheit über das künftige Konzept schaffen. Dann entscheidet sich, ob und welche Teile von Kirch Media in einer Auffanggesellschaft gebündelt werden. Dies ist ebenfalls vom Kaufinteressenten abhängig.

Nach den Vorstellungen des Bietertrios soll die "neue" Kirch Media im Kern den Film- und Sportrechtehandel sowie die Mehrheit an Pro Sieben Sat 1 umfassen. Der defizitäre Sportsender DSF werde nur im Unternehmen bleiben, falls Kirch Media die Fernsehübertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga für die nächsten zwei Spielzeiten erhalte, heißt es in Verhandlungskreisen. DSF-Chef Stefan Ziffzer setzt derzeit ein hartes Sparprogramm um und streicht viele Stellen.

Die 25-Prozent-Beteiligung von Kirch-Media am spanischen Sender Telecinco soll auf jeden Fall verkauft werden. Auch der Bereich Produktion soll den Planungen zufolge deutlich kleiner werden. Die Renditen seien zu gering, das Risiko zu hoch, heißt es zur Begründung. In der Vergangenheit produzierte Kirch etwa aufwendige Fernsehfilme und TV-Serien wie "Napoleon", "Graf von Monte Christo" oder "Der Tunnel". Der ehemalige Kirch-Vertraute Jan Mojto, der solche Projekte maßgeblich vorantrieb, ist bereits ausgeschieden. Abgestoßen werden soll auch der renommierte Produzent von Film- und Fernsehsendungen NDF neue deutsche Filmgesellschaft. Die Firma arbeitet für die privaten und die öffentlich-rechtlichen Sender.

Die Produktion von Unterhaltungssendungen, etwa Quiz- oder Gerichtsshows, hat dagegen bessere Chancen. Das Segment gilt als Wachstumsmarkt mit relativ geringem Risiko.

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