Drei Deutsche Bestplatzierte ihrer Teams
Radelnde Dienstboten fügen sich in ihre Rolle

Im Bianchi-Boom um Jan Ullrich, im Telekom-Trubel um Alexander Winokurow und Erik Zabel, im Gerolsteiner-Gejammer über die Sturzserie sind die Leiden und Leistungen dreier deutscher Radprofis in Diensten ausländischer Mannschaften etwas untergegangen. Dabei werden - wenn nichts Außergewöhnliches mehr passiert - Jörg Jaksche (16.), Grischa Niermann (26.) und Jörg Ludwig (37.) als die Besten ihrer Teams und die bestplatzierten Deutschen nach Jan Ullrich über die Champs-Elysees rollen.

BORDEAUX. Gestartet waren die drei "Legionäre" zur 90. Tour de France als radelnde Dienstboten ihrer Chefs, der Franke Jaksche in der spanischen "equipo" Once für Joseba Beloki, der Niedersachse Niermann in der holländischen "ploeg" Rabobank für Levi Leipheimer und der Westfale Jörg Ludewig in der italienischen "squadra" Saeco für Gilberto Simoni.

Niermann, 27, verlor seinen amerikanischen Kapitän durch den Massensturz schon auf der ersten Etappe in Meaux. Jaksche, am vergangenen Mittwoch 27 Jahre alt geworden, ist seit dem schweren Sturz und der Aufgabe seines spanischen Chefs am Ende der neunten Etappe in Gap ohne Anführer. Ludewig, 27, hat zwar noch seinen Boss, doch Giro-Sieger Gilberto Simoni fährt mittlerweile mit einer Stunde Rückstand zu seinem Edel-Domestiken Richtung Paris. Ludewig hatte seinen ermatteten und abgehängten "Leader" über den Galibier und nach Alpe d?Huez geschleppt und sah seine Mühen letztlich mit dem Etappensieg des Italieners in den Pyrenäen belohnt. Dabei war der Debütant ursprünglich nur wegen seiner Fähigkeiten als "Rouleur" für das Mannschaftszeitfahren überhaupt ins Tour-Team gekommen und überraschte dann, wie gut er über die Berge kam. "Wenn ich nicht ständig auf Simoni hätte warten müssen, wäre ich sicherlich noch weiter vorn", sagte Ludewig ohne Bedauern. "Das ist der Job."

Einmal, auf der für seine Mannschaft so verhängnisvollen Etappe, durfte Jaksche sogar ans Gelbe Trikot denken. Der Ansbacher war Zehnter des Gesamtklassements und auf seiner Flucht "virtueller Leader". Dann das Unglück Belokis. Jaksche hielt an der Unfallstelle an, dachte nicht mehr an das "Maillot Jaune". "Dafür werde ich bezahlt", sagte er lapidar und nahm billigend vier Minuten Zeitverlust in Kauf. Er hatte auf den Tour-Sieg Belokis gehofft: "Wir waren alle überzeugt, dass es Joseba diesmal schafft. Er war so gut drauf."

Hätte Jaksche die Führungsrolle übernehmen können? Once-Teamchef Manolo Saiz sagt dazu: "Die Anführer des Teams sind zu Hause. Jaksche ist ein Fahrer von sehr hohem Niveau, das aber nicht für die Führung bei einer Tour de France reicht. Jörg ist ein guter Anführer für die Deutschland-Rundfahrt."

Jaksche, zum fünften Mal auf Tour, war im Hochgebirge stets vorn dabei, in den Alpen noch als Helfer Belokis, in den Pyrenäen allein: 17. in Alpe d'Huez, 22. in Ax-3 Domaines, 18. in Loudenville, 16. in Luz-Ardiden.

Auch Grischa Niermann, zum vierten Mal bei der Tour, zeigte unauffällig seine Qualitäten im Hochgebirge, wo der Hannoveraner stärker auftrumpfte als der verbliebene Star im Team, Michael Boogerd. Alle drei, Jaksche, Niermann und Ludwig, wären für jede der drei deutschen Teams interessant. Jaksche radelte zwei Jahre lang für Telekom, Ludewig stand zwei Jahre lang in Diensten Gerolsteiners. Niermann ist schon seit 1999 "Holländer".

Dann gab?s ja noch Jens Voigt. Der vierte deutsche "Legionär", bei der französischen Bank Credit Agricole unter Vertrag, musste wegen eines Magenvirus auf der elften Etappe aufgeben. Sein Chef, der Franzose Christophe Moreau, liegt auch ohne die Unterstützung des großen Kämpfers aus Mecklenburg als bislang Achter gut in der Tour. Von Voigt heißt es, dass er mit Gerolsteiner im Gespräch ist. Für ihn könnte das Thema "Fremdenlegion" also bald vorbei sein.

Die gestrige 17. Etappe gewann Servais Knaven. Von Dax nach Bordeaux über 181 Kilometer war der Niederländer in 3:54:23 Stunden am Schnellsten. In der Gesamtwertung führt weiterhin der Amerikaner Lance Armstrong vor Jan Ullrich.

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