Drei Deutsche bewerben sich für einen Posten bei der Web-Organisation
Wahlen für den Icann-Vorstand laufen seit Sonntag

Die Online-Demokratie lässt noch zu wünschen übrig: Lediglich 76 000 der weltweit rund 300 Millionen Internetnutzer entscheiden über die Top-Positionen der Organisation, die über die Einführung neuer Web-Adress-Endungen bestimmt.

afp BERLIN. Zehntausende Internet-Nutzer können seit Sonntag erstmals per Mausklick an der Vorstandswahl der Web-Organisation Icann teilnehmen, die für das Vergabesystem der Web-Adressen zuständig ist. Bei der Online-Wahl vom 1. bis 10. Oktober werden fünf neue Direktoren in das 19-köpfige Gremium gewählt, das demnächst über die Einführung neuer Web-Adress-Endungen (so genannte Top Level Domains) entscheiden soll. Von weltweit rund 300 Millionen Web-Nutzern sind allerdings nur 76 000 Mitglieder der Icann stimmberechtigt, die sich in das Wählerverzeichnis haben eintragen lassen. Zur Wahl stehen auch drei deutsche Kandidaten.

Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers - kurz Icann - wurde 1998 gegründet, um unter anderem das lukrative System der Vergabe von Web-Adressen neu zu regeln und einheitliche technische Grundlagen für das Netz sicherzustellen. Damit hat die private Organisation mit Sitz in Kalifornien enorme wirtschaftliche und politische Bedeutung. Eine demokratische Legitimation fehlt ihr aber bislang. Daran wird nach Einschätzung vieler Kritiker auch die Online-Wahl nur geringfügig etwas ändern.

Die fünf neuen Vorstandsmitglieder sollen die Regionen Europa, Afrika, Asien, Latein- und Nordamerika vertreten. Für den für Europa reservierten Posten gehen nun sieben Kandidaten ins Rennen, darunter die drei Deutschen Andy Müller-Maguhn, Sprecher des Chaos Computer Clubs, die Sozialwissenschaftlerin Jeanette Hofmann und Winfried Schüller, Abteilungsleiter bei der Deutschen Telekom. Müller-Maguhn und Hofmann setzten sich in einer europaweiten Vorauswahl unter 72 Kandidaten durch, Schüller wurde vom Icann-Nominierungskomitee mit auf die Liste gesetzt.

Icann will keine Web-Regierung sein

Tagesspiegel" die Vorstellung zurück, Icann könne in die Rolle einer Internet-Regierung schlüpfen. Das Gremium kümmere sich nicht um die Inhalte im Web, sagte Hofmann. "Pornographie, Rechtsradikalismus im Netz - viele schreien da auf und rufen nach einer starken Institution, die uns davor schützt. Dafür ist die Icann nicht zuständig", betonte die Sozialwissenschaftlerin. "Icann ist mit Sicherheit keine Regierung mit hoheitlichen Aufgaben, es ist ein Verwaltungsgremium", ergänzte Schüller.

Nach Ansicht Müller-Maguhns fehlt in dem Gremium vor allem Transparenz. "Es soll nachvollziehbar werden, was dort geschieht", erklärte der Informatik-Student aus Berlin. Das Web als öffentlicher Raum dürfe nicht von den Interessen der Regierungen oder der Industrie vereinnahmt werden. So sei noch nicht geregelt, wie bei der geplanten Erweiterung des Systems von Web-Adressen neue Domains vergeben werden. Künftig sollen den Unternehmen neben der rar gewordenen Adress-Endung ".com" auch Endungen wie ".shop" oder ".firm" zur Verfügung stehen. Eine Einigung kam trotz endloser Debatten bisher nicht zu Stande.

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