Drei Hardware-Hersteller kämpfen um den Konsolen-Markt
Sega soll Microsoft Zugang zum japanischen Markt sichern

In Downtown L.A. stehen die Zeichen auf Wettkampf. Im Convention Center, das derzeit die internationale Fachmesse für Computerspiele "E3" beheimatet, treten zwei Giganten der Elektronikindustrie zum Schlagabtausch an: Microsoft fordert mit seiner neuen Spielekonsole "Xbox" Nintendos neue Videomaschine "Game-Cube" heraus. Beide wollen mit der neuesten Chiptechnik im Gehäuse Sonys "Playstation 2" Markanteile streitig machen.

HB LOS ANGELES. In der "Battle of Seattle", wie die US-Presse die Marktschlacht der Giganten in Anspielung auf den Firmensitz von Microsoft nennt, werden die Karten der Spieleindustrie erneut gemischt, dessen erster wirklicher Schlagabtausch im diesjährigen Weihnachtsgeschäft ausgetragen wird.

Die beiden Nachbarn aus Redmond bei Seattle - auch Nintendo of America ist nur wenige Meilen vom Microsoft Campus entfernt - wollen bis zum Jahresende etwa 1,5 Millionen ihrer neuesten Spielemaschinen absetzen, deren Vorzeigemodelle in diesen Tagen auf der Fachmesse Electronic Entertainment Expo (E3) in Los Angeles ihr Debüt geben. Das wären jeweils eine Million mehr, als Sony bei der etwas verpatzten Markteinführung der Playstation 2 im vergangenen Jahr gelungen waren.

Software-Gigant Microsoft tritt erstmals mit einer eigenen, von Grund auf neu entwickelten Maschine gegen die Phalanx japanischer Konsolenhersteller an. Sony, Nintendo und Sega verfügen über Jahrzehnte lange Erfahrung in diesem Geschäft, während Bill Gates und seine Entwicklermannschaft als Neulinge in den Wettbewerbsring steigen.

Wie schwierig dieser geworden ist, musste jüngste Sega erkennen. Nach Anfangserfolgen seiner Dreamcast-Maschine hat die Nummer drei unter den Japanern als Konsolenhersteller die Segel gestrichen, nachdem nur etwa die Hälfte der geplanten 6 Mill. Dreamcast-Konsolen verkauft werden konnten. Sega will sich künftig ganz auf die Entwicklung von Spielen konzentrieren.

Sega wird damit einerseits zum ernsthaften Mitbewerber amerikanischer Softwarehäuser wie Electronic Arts (EA) oder Activision, die schon seit Jahren den Markt der Unterhaltungselektronik mit den neuesten Videospielen für PC oder Konsolen versorgen. Da nach Angaben von Branchenbeobachtern Sega derzeit an elf Spielen für die Xbox von Microsoft arbeitet, wird damit Sega den Amerikanern auch den Zugang zum für Ausländer äußerst schwierigen japanischen Spielemarkt öffnen.

In den USA sind die einheimischen Spieleentwickler entweder im Raum Los Angeles oder im Silicon Valley, in San Francisco oder Redwood City angesiedelt. In Südkalifornien ist es die Nähe zu den Studios der Filmproduktionen, die die "Spiele-Studios" anlockt.

Erfolgreiche Spiele als Kinothema entdeckt

Die Filmindustrie wiederum hat nach anfänglichem Zögern erfolgreiche Spiele als Thema fürs Kino entdeckt. So werden in diesem Sommer der in Computern "gedrehte" Zeichentrickfilm "Final Fantasy" von Columbia Pictures und der Actionfilm "Tomb Raider" mit der futuristischen Spieleheroin Lara Croft von Paramount in den Kinos erwartet.

Die technischen Möglichkeiten von Spielekonsolen sind dank hochspezialisierter Grafikchips heute so ausgereift, dass die bisherige Trennungslinie zwischen Spielfilmen und Videospielen zunehmend verschwindet. Komplexe Spielestorys in mehreren Ebenen und längeren Videosequenzen liegen im Trend und verdrängen simple Ballerspiele früherer Generationen. Mit einer Illustrationsleistung (Fachausdruck "Rendering") von annähernd einer Billion Polygonen pro Sekunde erreichen sie heute die Leistung von Supercomputern. Polygone sind in diesem Fall winzige Vielecke, aus denen die realitätsnahen Videografiken zusammengesetzt werden.

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