Drei Jahre Baisse II
Japan ist nicht so weit weg

Steigen die Börsen bald? Schließlich gab es noch nie vier schlechte Börsenjahre in Folge, sieht man von den Kriegsjahren ab. In Japan fallen die Börsen zwar seit fast 14 Jahren. Doch das ist etwas ganz anderes - so lautet die herrschende Meinung bei Analysten. Japan wird als Sonderfall abgetan. Als Land, das zu spät und halbherzig auf Krisen reagiert. Doch so einfach ist es leider nicht. Noch spricht wenig für ein rasches Ende der Baisse.

DÜSSELDORF. Tatsächlich hat die Bank of Japan kräftig die Zinsen gesenkt, als die Krise 1989 ihren Lauf nahm und die Börse nach dem Platzen der Immobilienblase einbrach. Deflation begegnet der Staat mit Konjunkturprogrammen, die es sogar mit der amerikanischen Wirtschaftsoffensive aufnehmen können. Unternehmer und Verbraucher sollen zum Investieren und Konsumieren animiert werden. Zugegeben, Japans Umgang mit der Bankenkrise befriedigt nicht, um es vorsichtig auszudrücken. Doch ergreift Deutschland notwendige Reformen? Kaum jemand behauptet das ernsthaft.

Nein, Japan und seine Dauer- Baisse als Einzelfall abzutun, ist töricht. Es gibt kein Gesetz dafür, dass eine Börsentalfahrt in Europa und Amerika nach 36 Monaten endet, nur weil das immer so war. Die Risiken und Ungleichgewichte bestehen fort. Das US-Leistungsbilanzdefizit erfordert immer mehr Kapital von außen. Bleibt dies aus, gerät der Dollar unter Druck. Die Verschuldung der Unternehmen und Verbraucher behindert Investitionen und Konsum. Notenbanken reagieren folgerichtig mit Zinssenkungen, verschieben damit aber das Problem in die Zukunft. Denn ewig lassen sich Hypotheken- und Anschaffungskredite nicht weiter verbilligen. Der amerikanische Verbraucher reagiert bereits: Sein Vertrauen in die Wirtschaft ist so niedrig wie seit der letzten Rezession vor zehn Jahren nicht mehr.

Bei allen Risiken sollten Investoren aber auch Chancen - und Unterschiede zu Japan - nicht ignorieren. Aktien im Nikkei sind auch nach dem Einbruch von 80 % überbewertet. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) liegen oft über 40. Amerikanische und europäische Titel haben mit KGV von 15 (Europa) bis 20 (USA) Bewertungen erreicht, die im langjährigen Mittel liegen. Im Deutschen Aktienindex ist das KGV für die 2003 erwarteten Gewinne sogar auf unter zehn gefallen. Deutlich niedrigere Niveaus gab es noch nie.

Der Haken liegt allerdings im Detail: Erstens endete eine lange Baisse nie, sobald die Bewertungen wieder auf den Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte gefallen waren. Zweitens basieren die Berechnungen auf erwarteten Gewinnsteigerungen von zum Teil gigantischer Höhe. So fließt beispielsweise in das Dax-KGV ein, dass die Allianz nach einem Verlust von 3,21 Euro 2002 den Investoren für 2003 ein Plus von 7,70 Euro präsentieren wird. Zugegeben, Allianz ist ein Extrembeispiel. Doch sicher ist: Viele Vorhersagen basieren darauf, dass sich Konjunktur und Börsen rasch und nachhaltig erholen. Das ist noch nicht zu erkennen.

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