Drei Jahre Baisse: In Deutschland ist die Misere am größten

Drei Jahre Baisse
In Deutschland ist die Misere am größten

Die Talfahrt an den Börsen dauert schon länger als der bekannteste Crash Anfang der dreißiger Jahre.

som DÜSSELDORF. Lange schienen die Börsentiefs vom Oktober vergangenen Jahres zu halten. Doch als vor einigen Wochen die europäischen Indizes noch tiefer rutschten, trat die Baisse in eine neue Phase. Mit 36 Monaten dauert die Talfahrt länger als der bekannteste Crash Anfang der dreißiger Jahre. Nur einmal, zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, gab es eine Abwärtsbewegung, die mit 41 Monaten länger anhielt. Außen vor steht Japan: Hier begann die Baisse 1989 - Ende offen.

Am 7. März 2000 war der Deutsche Aktienindex (Dax) nach einer "Rally der Angst", die von Sorgen über den Jahrtausendwechsel begleitet war, bis auf 8 136,16 Punkte gestiegen. Der Neue Markt schaffte es drei Tage später bis auf 9 694,07. Seitdem schmolz im Dax das Anlegergeld um 70 % zusammen, im Neuen Markt sogar um 96,5 %. Aus 1,2 Bill. Euro im Dax wurden 350 Mrd. Euro. Damit sind die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen weniger wert als Wal-Mart und Johnson & Johnson zusammen in den USA. Viele deutsche Blue Chips notieren auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren. Die Hypo-Vereinsbank kostete nie so wenig wie heute.

Die Schwäche in Deutschland hat viele Ursachen. Britische und amerikanische Fonds fuhren ihren Portfolioanteil aus Deutschland auf ein historisches Tief herunter. Das Wachstumsschlusslicht in der EU bietet sich nicht an. In Deutschland selbst belasten Aktienverkäufe von Banken und Versicherungen. Die "Deutschlnd AG" verstärkt den Trend, weil viele Unternehmen Aktien anderer deutscher Firmen halten - und verkaufen.

In Europa insgesamt verloren die Indizes durchschnittlich weniger stark, mit rund 50 % aber mehr als in jeder anderen Baisse seit den dreißiger Jahren. Rund 3 Bill. Euro wurden so vernichtet. Das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt der weltweit drittgrößten Wirtschaftsmacht, Deutschland.

In den USA sind die Verluste der Indizes kleiner. Im Dow-Jones-Index beträgt das Minus 31%. Allerdings täuscht diese Zahl über den wahren Zustand der amerikanischen Börsen. Der S&P-500, der besser den Markt widerspiegelt, verlor mit 45 % fast ebenso viel wie viele europäischen Indizes. Und an der Nasdaq - die High-Tech-Börse beheimatet in der Mehrheit gar keine Technologiewerte - liegt das Minus sogar bei 75 %.

Den Dow schützt seine defensive Zusammensetzung. Werte wie Eastman Kodak und Altria (Philip Morris) halten sich in der Krise gut. Anleger honorieren konstante Erträge und hohe Dividenden. Hinzu kommt, dass viele Titel im Boom bis März 2000 gar nicht gestiegen waren. Allerdings entwickelt sich der Dow seit einigen Wochen schlechter als der S&P und die Nasdaq. Viele sehen darin ein Signal, dass die Baisse ein Stadium erreicht hat, in dem Investoren auch ihre letzten "Perlen" mit Gewinn auf den Markt werfen.

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