Drei Jahre nach Einführung
Dem Smax droht weiterer Aderlass

Vor drei Jahren als Qualitätssegment für mittelständische Unternehmen und Gegenpol zum Neuen Markt gegründet, ist die bisherige Bilanz ernüchternd. Das Anlegerinteresse fehlt, Unternehmen verlassen das Segment in Scharen. Gesellschaften, Deutsche Börse und Investoren weisen sich gegenseitig die Schuld zu.

FRANKFURT/M. Drei Jahre wird das Kleinwertesegment Smax am kommenden Freitag alt, einen Anlass zum Feiern gibt es allerdings nicht. Der Grund: Im vergangenen halben Jahr haben über 30 Unternehmen das Segment verlassen. Waren in der Hochphase noch bis zu 138 Unternehmen dort gelistet, so sind es aktuell 95, Tendenz weiter fallend. Bald schon könnte die Zahl von 91 gelisteten Unternehmen unterschritten werden, mit der vor drei Jahren begonnen wurde. Denn auch diejenigen, die bisher noch nicht über eine Austritt aus dem Segment nachgedacht haben, stehen ihm inzwischen weitgehend emotionslos gegenüber. Nur mangels geeigneter Alternativen verharren sie dort.

"Der Smax hilft uns nicht, er schadet uns aber auch nicht" bringt Andrea Schleppinghoff von Wige Media die Stimmung auf den Punkt. Der Dienstleister aus dem Sportmedienbereich litt zuletzt auch die Kirch-Krise, weshalb auch dort über das teure Listing im Kleinwertesegment nachgedacht wird. Im mittleren sechsstelligen Euro-Bereich liegen selbst ohne die Kosten der Hauptversammlung beim Baustoff-Hersteller Pfleiderer die Ausgaben für ein Smax-Listing, so Unternehmenssprecherin Alexandra Klemme. Quartalsberichte nach internationalen Standards, mindestens eine Analystenveranstaltung sowie ein Designated Sponsor zur Aufrechhaltung des Handels lassen bei vielen Unternehmen die Kosten-Nutzen-Frage zu einem zentralen Thema werden. "Wir sind nicht glücklich, aber wir haben derzeit keine Alternative", so Pfleiderer-Sprecherin Alexandra Klemme gegenüber dem Handelsblatt.

Hintergedanke ist bei Pfleiderer die Chance auf einen Aufstieg in den M-Dax und damit unter die Top-100 der deutschen Unternehmen. Im Jahr 1999 schafften das drei Gesellschaften, 2000 waren es vier und 2001 sogar acht Unternehmen. In diesem Jahr stiegen bereits die Deutsche Industrie Service AG, Indus Holding und das Modeunternehmen Gerry Weber auf.

Diese Chance haben jedoch die meisten Smax-Unternehmen nicht. Für sie lautet die Wahl, entweder im so genannten Qualitätssegment Smax bleiben und dafür teuer bezahlen oder in den von Investoren wenig beachteten Geregelten Markt gehen und Kosten sparen. Die Ansichten darüber sind geteilt. Diejenigen, die bleiben, sehen ihre Stellung bei den Investoren im Vordergrund. "Wenn es uns schon schlecht geht, dann wollen wir nicht auch noch die Visibilität verschlechtern" schildert Vorstandschef Willi Loose von der angeschlagenen Elektro-Holding Elexis die Situation.

Für das schlechte Image des Smax schieben sich die Deutsche Börse, die gelisteten Unternehmen und die Investoren gegenseitig die Schuld zu. Die Deutsche Börse unterstütze die Unternehmen zu wenig, so der Vorwurf. Zudem sei das Marketing für das Segment ausbaufähig, so deren Kritik. "Wir sind von der Deutschen Börse insgesamt enttäuscht", so Alexandra Klemme. Dem widerspricht die Deutsche Börse entschieden. Für die Unternehmen gebe es eine umfangreiche Unterstützung, so Sprecherin Alexandra Franz. Beispielsweise unterstütze die Börse mit Seminaren bei der Investorenarbeit. Gerade hier gab es in der Vergangenheit immer wieder Kritik von Investorenseite über mangelnde Unterstützung. Als Paradebeispiel für fehlende Investorendenken gilt innerhalb des Segments immer noch der Ausstieg des Wohnmobilherstellers Hymer, den dieser nicht mal meldete.

Jedoch habe sich in puncto IR-Arbeit im vergangenen Jahr vieles verbessert, so Jochen Matthée von der Fondsgesellschaft Invesco. Lediglich Invesco und Lupus Alpha legen spezielle Smax-Fonds auf und gelten dadurch als bedeutende Investoren im innerhalb des Segments.

Er sieht die Gründe für das derzeitige Image woanders: "Die Deutsche Börse hat den Smax in guter Absicht eng am Neuen Markt positioniert", so die Erklärung von Jochen Matthée. Das führe jetzt bei den Anlegern zu einer Vermischung in ihrer Wahrnehmung, obwohl es unter Smax-Gesellschaften nie diese Verwerfungen wie bei einigen Unternehmen des Neuen Marktes gegeben hat. Unternehmen, die das Segment aus Kostengründen verlassen, kann Matthée nicht verstehen. Bei vielen fehle die Börsenwilligkeit, hat der Fondsmanager festgestellt.

Nur geringe Verbesserungen versprechen sich Investoren wie Unternehmen schon jetzt von der ab Juni geltenden Halbierung des Auswahlindex S-Dax 100 in S-Dax 50. "Das hat auf mein Investitionsverhalten nur wenig Einfluss", so Jochen Matthée. Joachim Rohwedder, Chef des gleichnamigen Anlagenbauers, wäre zwar künftig gerne im Auswahlindex gelistet, macht aber seinen Verbleib im Smax nicht davon abhängig. "Wir sehen das als Verpflichtung gegenüber unseren Aktionären", so Rohwedder.

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