Drei Kinder unter den Opfern
Israelische Granaten töten acht Palästinenser

Israelische Soldaten haben beim Beschuss eines Wohnviertels in Rafah im Gazastreifen am Donnerstag acht Palästinenser getötet, darunter zwei Frauen und drei Kinder im Alter von neun bis 13 Jahren.

HB GAZA/JERUSALEM. Bis zu 40 Personen wurden nach Angaben des örtlichen Krankenhauses zum Teil lebensgefährlich verletzt, als die Soldaten mit Panzergranaten in das Viertel "Block O" der Stadt feuerten. Das Viertel ist in den vergangenen Monaten zum Zentrum des bewaffneten Kampfes palästinensischer Extremisten geworden.

Ärzte im örtlichen Krankenhaus von Rafah sagten am Abend, sie rechneten angesichts der Zahl der Schwerverletzten noch mit weiteren Todesfällen. Nach israelischen Angaben hatten militante Palästinenser zuvor aus dem Wohngebiet unter anderem Panzerfäuste abgefeuert. Die neue Gewalt überschattete das erste Treffen israelischer und palästinensischer Sicherheitsexperten seit mehr als einem Monat, bei dem es am Mittwochabend um einen weiteren Truppenabzug Israels aus besetzten Städten im Westjordanland ging.

Palästinensischen Berichten zufolge waren israelische Truppen am Nachmittag mit Panzerfahrzeugen in die Stadt Rafah an der ägyptischen Grenze eingedrungen. Daraufhin sei es zu heftigen Feuergefechten mit Dutzenden Palästinensern gekommen. Soldaten hätten im Verlauf des Gefechts mehrere Granaten auf das Wohnviertel abgefeuert und dabei eine Schule der Flüchtlingsorganisation UNRWA sowie mehrere Privatgebäude getroffen, berichteten Augenzeugen. Ein Armeesprecher sagte, man prüfe den Vorfall. Erst vor zehn Tagen waren bei einem israelischen Angriff im nahe gelegenen Ort Chan Junis 18 Palästinenser getötet und mehr als 100 verletzt worden.

Die blutigen Ereignisse überschattete die ersten Gespräche zwischen beiden Seiten seit über einem Monat. Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erekat sagte am Donnerstag, das Gespräch mit Israels Außenminister Schimon Peres sei ergebnislos geblieben. Peres sagte im israelischen Rundfunk, bei dem Gespräch, an dem auch der palästinensische Wirtschaftsminister Maher el Masri teilnahm, sei es nicht nur um humanitäre Fragen, sondern auch um eine mögliche Wiederbelebung der Friedensgespräche gegangen. Nach Angaben von Erekat wurde auch über die Überweisung von Zolleinnahmen an die Autonomiebehörde gesprochen, die Israel bislang zurückhält. Dabei handelt es sich um über zwei Mrd. Schekel (420 Mill. Euro).

Israelische Medien berichteten inzwischen, die USA hätten während des Besuchs von Ministerpräsident Ariel Scharon in Washington einen Zeitplan für eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts innerhalb der kommenden drei Jahre vorgelegt. Die Umsetzung solle nach dem möglichen Krieg gegen den Irak beginnen. Der Plan sieht vor, dass die Palästinenser keine Anschläge mehr verüben und bis Mitte nächsten Jahres die Autonomiebehörde reformieren. Israel müsse den Bau von Siedlungen stoppen und seine Truppen aus den wiederbesetzten Autonomiegebieten abziehen. Die humanitäre Lage in den Palästinensergebieten soll verbessert werden.

Anschließend sollten im Herbst 2003 auf einer internationalen Friedenskonferenz Verhandlungen über die Einrichtung eines palästinensischen Staates innerhalb provisorischer Grenzen beginnen. Die Gespräche sollten im Verlauf des Jahres 2004 abgeschlossen werden. Verhandlungen über eine endgültige Lösung des Konflikts sollten bis 2005 oder 2006 enden, hieß es.

Die USA wollten ihren Partnern im so genannten Nahostquartett - EU, Russland und die Vereinten Nationen - den Plan bei einem Treffen kommende Woche vorlegen. Das Quartett hatte bereits vor einem Monat einen ähnlichen Plan vorgelegt, der unter anderem die Errichtung eines palästinensischen Staates mit provisorischen Grenzen und eine endgültige Einigung bis 2005 vorsieht. Der US-Gesandte William Burns wird kommende Woche zu Gesprächen über den neuen Plan in der Region erwartet.

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