Drei Konzerne beherrschen den Weltmarkt
Philips kauft Medizin-Geschäft von Marconi

Mit dem Kauf der Medizinsparte von Marconi etabliert sich Philips in der Spitzengruppe der Hersteller elektromedizinischer Geräte. Auch General Electric und Siemens haben groß eingekauft.

HB LONDON/BRÜSSEL/DÜSSELDORF. Der Konzentrationsprozess unter den Herstellern elektromedizinischer Technik hat ein neues Stadium erreicht. Der bisher drittgrößte Anbieter am Weltmarkt, Philips Electronics N.V. aus Amsterdam, wird die Medizinsparte des britischen Konzerns Marconi Plc, London, für 1,1 Mrd. Dollar übernehmen. Philips schließt damit zur bisherigen Nummer zwei, Siemens, auf. Der Jahresumsatz von Philips Medical Systems steigt durch die Übernahme und weitere Käufe im Geschäftsjahr von 3 auf 5 Mrd. Euro.

Auf dem Weltmarkt für elektromedizinische Geräte haben sich durch die jüngsten Übernahmen drei große Anbieter formiert: General Electric, Siemens und Philips. Dahinter folgt mit einigem Abstand Toshiba. Alle haben kräftig zugekauft und treten dadurch als Komplettanbieter auf. So kaufte Siemens in den USA den Spezialisten für Medizininformationstechnologie SMS und den Ultraschallanbieter Accuson. GE hat im Jahr 2000 allein in Deutschland die Firmen OEC Medica Systems und Sabri übernommen.

Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer für elektromedizinische Technik im Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, sieht durch die jüngsten Übernahmen den Weltmarkt weitgehend arrondiert. "Die großen Übernahmen sind vorbei", sagt Bursig. So wie die Konzerne jetzt ihre Übernahmen integrierten, werde sich der gesamte Weltmarkt konsolidieren. Die Konkurrenz steige, durch die weltweiten Bemühungen um Kostendämpfung im Gesundheitswesen erhöhe sich zudem der Druck auf die Preise.

Gleichzeitig wachse der Entwicklungsaufwand durch neue digitale Systeme erheblich. Diese Herausforderung könnten nur große globale Anbieter bewältigen, deshalb sei Marconi allein zu klein. Anders als in der Sparte elektromedizinischer Technik sieht es auf den von der Feinmechanik dominierten Bereichen der Medizintechnik aus. Hier beherrschen kleinere Spezialisten jeweils ihren Markt. Viele Unternehmen-wie Aesculap und Dräger - sitzen in Deutschland.

"Bild gebende Systeme"

Vor der jüngsten Übernahme hatte Philips bereits angekündigt, man werde den Bereich Medizintechnik ausbauen, sich dabei allerdings auf "Bild gebende Systeme" beschränken. Deshalb ist Philips nur an Marconis Bilddiagnosebereich interessiert, der im abgelaufenen Geschäftsjahr 1 Mrd. Dollar umsetzte und einen Betriebsgewinn von 135 Mill. Dollar erzielte. Marconis Vertrieb von Röntgenbedarf mit einem Umsatz von 600 Mill. Dollar wollen die Niederländer rasch weiterverkaufen.

Das Medizin-Programm von Philips reicht künftig von Ultraschallgeräten über Scanner bis zu nuklearmedizinischen Systemen. Das Akquisitionprogramm sei nun abgeschlossen, erläuterte Philips. Die Sparte werde sich auf die Integration der Übernahmen und die Steigerung der Betriebsergebnisse konzentrieren. Philips hatte vergangenes Jahr von Agilent den Bereich Herzbehandlung/Ultraschall übernommen und die US-Firma Medquist gekauft, ein Anbieter von Verfahren zur medizinischen Berichterstattung. Zuvor hatte sich Philips ebenfalls in den USA die Firma Ultrasound, einen Spezialisten für Ultraschalldiagnostik, gesichert.

Der Verkauf der Medizinsparte von Marconi kam nicht überraschend. Um seine hohen Schulden zu verringern, trennt sich Marconi bereits seit einiger Zeit von allen Bereichen, die nicht zum Kerngeschäft des Telekomausrüsters gehören. Analysten erklärten jedoch, dass sie mit einem deutlich höheren Preis für den profitablen Medizinbereich gerechnet hätten. Mit 1,1 Milliarden Dollar liege die Summe kaum über dem Nettovermögen der Sparte. Marconi ist in den vergangenen Monaten unter Druck geraten. Mit 2,61 £ ist der Aktienkurs auf den tiefsten Kurs seit sechs Jahren gerutscht, nachdem mehrere Investmentbanken das Papier zurückgestuft hatten.

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