Drei Menschen mit in den Tod gerissen
Anschläge versetzen Nahost-Bemühungen Dämpfer

Palästinensische Selbstmordattentäter haben am Montag eine Serie von Anschlägen gegen Israelis fortgesetzt und die Friedensbemühungen im Nahen Osten einer neuen Belastungsprobe ausgesetzt.

Reuters AFULA. Im Norden Israels riss vermutlich eine junge Frau drei Menschen mit in den Tod, als sie eine Bombe in einem Einkaufszentrum zündete. Es war der fünfte Anschlag innerhalb von drei Tagen. Zu der Tat bekannten sich gemeinsam die radikalen El-Aksa-Brigaden und die militante Gruppe Islamischer Dschihad, die gegen die Existenz Israels und jede Art von Kompromissen der Palästinenser auf dem Weg zu einem eigenen Staat kämpfen. US-Präsident George W. Bush will trotz der Anschläge an einem neuen Nahost-Friedensplan festhalten.

Mindestens 17 Menschen seien bei der Explosion am Eingang des Einkaufszentrums in Afula verletzt worden, berichtete der israelische Rundfunk unter Berufung auf die Polizei. "Das war eine riesige Explosion", sagte eine Augenzeugin. Die El-Aksa- Brigaden und die Dschihad-Gruppe erklärten, eine 19-jährige Frau aus dem nördlichen Westjordanland habe die Tat verübt. Die Polizei hatte zunächst von einem Mann als Täter gesprochen, später jedoch erklärt, die gefundenen Leichenteile seien nicht eindeutig.

Zu den vier vorangegangenen Attentaten hatte sich die radikal-islamische Hamas bekannt. In ihrem Bekennerschreiben bekräftigte die Organisation: "Wir werden unseren Widerstand solange nicht aufgeben, wie auch nur ein Zionist unsere Luft atmet. Wenige Stunden vor dem Anschlag in Afula hatte ein Selbstmordattentäter in der Nähe der jüdischen Siedlung Kfar Darom im palästinensischen Gaza-Streifen seinen Sprengsatz gezündet und dabei drei Soldaten leicht verletzt. In Jerusalem hatte sich am Sonntag ein Palästinenser in einem öffentlichen Bus in die Luft gesprengt und sieben Menschen getötet.

Die neue Anschlagsserie richtet sich offenbar gegen die diplomatischen Bemühungen des neuen, reformorientierten palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas. Dieser hatte sich am Samstag zum ersten Mal mit Israels Regierungschef Ariel Scharon getroffen, ohne darüber Einigung zu erzielen, wer bei der Umsetzung des neuen von den USA, der Europäischen Union (EU), Russland und den Vereinten Nationen vorgelegten Friedensplans den ersten Schritt tun müsse.

In einer Reaktion auf die jüngsten Anschläge sagte US-Präsident Bush: "Ich bin zuversichtlich, dass wir mit dem Friedensprozess fortfahren können." "Wir sind noch immer auf dem Weg zum Frieden. Es wird eben ein holpriger Weg, und ich werde von dem Weg nicht abweichen, bis wir die Vision erreicht haben", sagte Bush. Ziel des Plans ist die Gründung eines unabhängigen Palästinenser-Staates und dessen friedliche Koexistenz neben Israel.

Die in Brüssel tagenden EU-Außenminister appellierten an Israel und die Palästinenser, nicht den gewaltbereiten Kräften zu erlauben, die Suche nach einer friedlichen Lösung behindern. "Von beiden Seiten sind dringend sichtbare und klare Zeichen des guten Willens erforderlich, um dem Nahen Osten wieder Hoffnung und Stabilität zu bringen", hieß es in einer Erklärung. Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte mit Blick auf den jüngsten Anschlag, wie seine EU-Kollegen empfinde er Trauer, Bestürzung und Wut darüber, "dass wieder unschuldige Menschen sterben mussten, weil ein verbrecherischer Terrorismus den Friedensprozess torpedieren will". Besonders die USA müssten klar machen, dass es keine wesentlichen Änderungen am Friedensfahrplan des Nahostquartetts geben könne.

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