Drei Minuten schwerelos
Das Rennen der Privaten gegen die NASA

Es ist die Stunde der Privaten. Das Shuttle- Programm der NASA steckt in der tiefen Krise, und manche Kritiker meinen bereits, die 20 Jahre alten Fähren sollten für immer am Boden bleiben. In dieser Phase drängen unabhängige Forscher mit gewagten neuen Gleitern und Raketenflugzeugen ins All. Sie können dabei auf die großzügige finanzielle Unterstützung amerikanischer Internetmogule setzen.

HB/dpa WASHINGTON. Zu den Pionieren gehört der legendäre Flugzeugbauer Burt Rutan, der in den 80er Jahren mit dem Voyager das erste Flugzeug baute, das ohne Auftanken um die Welt flog. Der 59-Jährige hat es sich zum Ziel gesetzt, Weltraumflüge für die Industrie aber auch für Touristen erschwinglicher zu machen. Kürzlich präsentierte er in der kalifornischen Mojave-Wüste sein SpaceShipOne.

Rutan hat ein Zweikomponentensystem entwickelt. Sein zweistrahliges Turbojetflugzeug White Knight fungiert als fliegende Startrampe für sein eigentliches Raumschiff, das SpaceShipOne. Das futuristisch aussehende Raumschiff klinkt sich in großer Höhe aus und fliegt dann mit seinem Hybrid-Raketenantrieb bis zu 100 Kilometer hoch.

Genügend hoch für Pilot und Mitreisende, um schwerelos in der Kapsel schweben zu können und dabei die Erde als blauen Ball unter sich zu bewundern. Nach ein paar Minuten kehrt SpaceShipOne dann wieder zurück und landet ähnlich wie ein Shuttle auf der Erde. Rutan schätzt die Kosten für einen Flug auf 80 000 Dollar - ein attraktiver Preis, für reiche Touristen, die nur einmal kurz im All schweben und die blaue Kugel unter sich betrachten wollen.

Für knapp 100 000 Dollar verspricht auch die Firma XCOR Weltraumfans ein suborbitales Abenteuer mit seiner EZ-Rocket. "Ein schneller und aufregender Aufstieg bis in 100 Kilometer Höhe mit drei Minuten Schwerelosigkeit während der begeisterte Tourist einen großartigen Blick von der Erde erhält, die von einem sternengefüllten schwarzen Himmel umgeben ist", verheißt der Prospekt der Firma. Ein Termin für den ersten Flug wird nicht genannt.

Wie alle privaten Weltraumforscher hoffen die XCOR-Wissenschaftler auf den vor sieben Jahren ausgeschriebenen und mit z10 Mill. Dollar dotierten X-Preis. Er fällt dem Team zu, das ohne jegliche finanzielle Unterstützung der Regierung als erstes mit einem wiederverwendbaren Raumschiff 100 Kilometer hoch fliegt.

Auf die finanzielle Hilfe der Regierung können Rutan und mehr als 20 andere Teams, die um den X-Preis kämpfen, allerdings leicht verzichten. Rutan enthüllt offiziell nicht, wer ihm die nötigen Millionen für seine teure Forschung verschafft, doch gehen Beobachter davon aus, dass es der steinreiche Microsoft-Mitbegründer Paul Allen ist.

Auch andere High-Tech- und Internetmogule, die mit "Star Wars" groß geworden sind, träumen vom Flug ins All und geben Millionen aus, um ihre Träume zu verwirklichen. So soll unter anderem der Entwickler der Videospiel-Bestseller Doom und Quake, John Carmack, eine Weltraumfirma gegründet haben.

Und auch der Gründer des Online-Warenhauses Amazon, Jeff Bezos, lässt nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Newsweek", in einer streng abgeschirmten Lagerhalle in Seattle ein Raumfahrzeug entwickeln. Der Milliardär, der auf der Webseite seines Online- Imperiums schon mal persönlich Bücher über den Weltraum rezensiert, habe einen ganzen "Stall" voller Raketenwissenschaftler, ehemaliger NASA-Mitarbeiter und anderer Experten angestellt, um seinen Traum zu verwirklichen.

Auch wenn Kritiker bezweifeln, dass die ehrgeizigen Privatunternehmer in naher Zukunft eine echte Alternative zu den Shuttles des Weltraumriesen NASA auf die Beine stellen können, so haben sie doch einige Vorteile. Dazu gehören beträchtliche Finanzmittel, und die Freiheit, ohne bürokratische und politische Hürden zu forschen. Die NASA muss sich derweil gegen immer heftigere Kritik im Kongress verteidigen und sich anhören, dass sie ihre alternde Shuttleflotte künftig nur noch für Frachttransporte einsetzen sollte.

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