Drei Möglichkeiten im Hauptverfahren
Insolvenzverfahren: Zerschlagen, fortführen oder retten

Auch bei einem Insolvenzverfahren ist für das betroffene Unternehmen zumindest theoretisch noch alles möglich.

afp BERLIN. Auch bei einem Insolvenzverfahren ist für das betroffene Unternehmen zumindest theoretisch noch alles möglich. AFP dokumentiert den Ablauf des zweitstufigen Verfahrens und mögliche Optionen im Falle Holzmann:

Erste Phase (Regeldauer: vier bis sechs Wochen):

Mit dem Gang zum Amtsgericht hat Holzmann das Schicksal des Konzerns in die Hände eines Insolvenzverwalters gelegt. Dieser ist in der Regel ein spezialisierter Rechtsanwalt und nimmt meist binnen weniger Stunden die Arbeit auf: Er muss zunächst den wirtschaftlichen Zustand des Unternehmens in einem Gutachten erfassen. Im Falle Holzmann wird auch geprüft, welche Bauprojekte noch fortgeführt werden können. Zudem ist der Verwalter verplichtet, alle Vermögenswerte des Konzerns zu sichern, damit die Gläubiger später abgefunden werden können. Der Unternehmensvorstand darf deshalb auch keine Zahlungen ohne die Zustimmung des Verwalters mehr leisten.

Während der Dauer des vorläufigen Verfahrens bekommen die Arbeitnehmer für maximal drei Monate statt des Lohns ein "Konkursgeld" in gleicher Höhe. Diese offiziell Insolvenzgeld genannte Zahlung kommt direkt vom Arbeitsamt.

Zweite Phase (Regeldauer: einige Wochen bis mehrere Jahre)

Im Hauptverfahren muss der Insolvenzverwalter die Entscheidung treffen, wie er mit dem zahlungsunfähigen Unternehmen verfahren soll. Im Wesentlichen gibt es drei Möglichkeiten:

1) Zerschlagen: Am radikalsten ist die vollkommene Zerschlagung einer Firma. Dabei werden alle Unternehmensteile verkauft, für die sich ein Käufer findet. Nach der Insolvenzordnung müssen die Gläubiger dem Verkauf zustimmen. Dabei erhält der neue Eigentümer lediglich die so genannten Aktiva, übernimmt also nicht etwa auch die Schulden eines Unternehmensteils. Die Ansprüche der Gläubiger bleiben beim Rumpfunternehmen, das schließlich abgewickelt wird. Dabei werden alle Vermögenswerte wie Maschinen oder Immobilien veräußert. Der Erlöß fließt in einen Topf, aus dem die Gläubiger am Ende je nach finanziellem Engagement anteilig bezahlt werden. Aus diesen Mitteln erhalten auch die Arbeitnehmer bis zum Ablauf der Kündigungsfrist noch bevorzugt ihr Geld.

2) Fortführen: Das Unternehmen kann unter der Leitung des Verwalters weitergeführt werden, wenn Aussicht darauf besteht, dass es wirtschaftlich überlebensfähig ist. Löhne und Gehälter muss der Verwalter dabei aus den laufenden Einnahmen zahlen, er darf also nicht etwa Kapitalwerte veräußern, um die Arbeitnehmer zufrieden zu stellen. Dabei ist es üblich, das Unternehmen "gesund zu schrumpfen": Unrentable Teile werden abgestoßen oder dichtgemacht.

3) Sanieren: Die Belegschaft des betroffenen Unternehmens kann theoretisch auch nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens auf eine Rettung des Gesamtkonzerns hoffen. Denn auch dann könnten sich die Beteiligten noch auf eine Sanierung einigen. Die Unternehmensführung müsste dafür einen Rettungsplan vorlegen, dem alle Gläubiger zustimmen müssen. Dies scheint bei Holzmann derzeit allerdings nicht im Bereich des Möglichen, einige der kreditgebenden Banken wollen offensichtlich einfach nicht noch mehr Geld in das angeschlagene Unternehmen stecken.

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