Drei-Monats-Hoch
Euro marschiert auf 0,90 Dollar zu

Der Euro kämpft sich langsam aus der Talsohle heraus. Nach Kursgewinnen im US-Handel eröffnete die Gemeinschaftswährung auch in Europa fester.

rtr FRANKFURT. Der Euro ist am Freitagmorgen erneut auf ein Drei-Monats-Hoch bei 0,8941 Dollar gestiegen. Einige Händler führten den Kursanstieg wie am Vortag auf die wachsende Besorgnis über die Lage der US-Wirtschaft zurück, die der Konjunkturbericht der US-Notenbank (Fed) vom Mittwochabend ausgelöst hatte. Darin zeichnete die Fed ein trübes Wirtschaftsbild. "Wir haben eine breite Korrektur des Dollar gesehen, denn die Investoren sorgen sich um die Perspektiven der US-Wirtschaft", sagte Neil MacKinnon, Währungsstratege bei Merrill Lynch in London. Andere Händler verwiesen auf den Trend, der seit Mitte Juli anhalte. "Ich halte den Euro nach wie vor für unterbewertet", sagte Ulrich Beckmann, Volkswirt bei der Deutschen Bank Research.

Der Euro war bis zum Ende des US-Handels am Donnerstag angesichts gedämpfter Hoffnungen auf eine rasche Erholung der US-Wirtschaft auf ein neues Drei-Monats-Hoch von über 0,8920 Dollar gestiegen. Der Euro profitierte von dem trüben Bild der Wirtschaftsaktivitäten in den USA, das der Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed, das so genannte Beige Book, zeichnete. Der Euro ist nun Händlern zufolge bei 0,8850 Dollar gut unterstützt und sollte die Woche über dieser Marke abschließen. Wenig Einfluss auf die Gemeinschaftswährung hatte dagegen nach Händlerangaben der EZB-Monatsbericht, in dem die EZB bekräftigt, das derzeitige Leitzinsniveau sei angemessen.

Zum Schluss des US-Handels notierte der Euro bei 0,8922/27 Dollar und damit rund Eineinviertel US-Cent über der New Yorker Schlussnotiz vom Mittwoch. Die Europäische Zentralbank (EZB) legte den Referenzkurs am Mittag in Frankfurt mit 0,8853 (0,8763) Dollar fest. Damit verbilligte sich der Dollar auf 2,2092 (2,2319) DM. Gegen Ende des US-Handels notierte der Euro gegenüber der japanischen Währung bei 108,60/73 Yen. Der Dollar fiel auch zum Yen deutlich ab und beendete den amerikanischen Handel bei Kursen um die 121,60/68 Yen.

Die Fed hatte in ihrem am Mittwochabend veröffentlichten Beige Book von einem langsamen Wachstum in den USA oder einer Seitwärtsbewegung der Wirtschaftsaktivität im Juni und Juli berichtet. Die Schwäche der Industrie in beinahe allen Bezirken greife nun auch auf andere Wirtschaftssektoren über, hieß es in dem Bericht weiter. "Bei den schwachen konjunkturellen Daten aus den USA nimmt das Interesse, Dollar zu kaufen immer weiter ab", sagte eine Händlerin. Für die zusätzlichen Kursgewinne am Nachmittag seien spekulative Positionen verantwortlich gewesen. Einige hätten bei einem Kurs von 88,50 US-Cents sogenannte Stop-Loss-Aufträge ausgeführt, nachdem sie zunächst auf einen wieder fallenden Euro gesetzt hatten. Als dieser nicht nachgab, kauften sie Euro, um die eingegangenen Leerverkaufspositionen zu bedienen.

"Das Beige Book hat ein deutlich grimmigeres Bild für die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft gezeichnet", sagte Jim Griffin, Vice President und Forex-Berater bei der Union Bank of California. Dies habe den Dollar im Handel gegenüber praktisch allem nach unten gedrückt. "Das Beige Book vom Mittwoch war ein enormer Blitz für den Euro. Der Dollar schwächt sich immer noch angesichts der Neuigkeiten ab," sagte Tima Mazanec, von der Investor's Bank and Trust Company. Händler sehen den Euro nun bei 88,50 US-Cent gut unterstützt. Eine Händlerin sprach dem Euro ein Potenzial bis 0,8950 Dollar zu, sollte sich die Währung weiter über der 0,885 Dollar-Marke behaupten.

Das Beige Book habe am Donnerstag den EZB-Monatsbericht in den Schatten gestellt, sagte Dorothea Huttanus, Volkswirtin bei der DG Bank. "Alle schauen nun einmal auf die spannendere Geschichte, und die spielt in den USA. Der Euro dankt es." Die Zentralbank bezeichnete das gegenwärtige Zinsniveau als angemessen, um mittelfristig Preisstabilität zu gewährleisten. Allerdings herrsche im Markt trotzdem weiter Uneinigkeit darüber, ob und wann die EZB die Leitzinsen senken könnte. Die Mehrzahl rechne aber mit einer Zinssenkung spätestens im September.

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